Nestlé liefert im dritten Quartal, was der Konzern seit Monaten verspricht: mehr verkaufte Ware statt nur höhere Preise. Das organische Wachstum lag bei 4,0 Prozent und damit klar über der Analystenerwartung von 3,5 Prozent. Konzernchef Philipp Navratil sieht seine Strategie bestätigt.
Volumen übernimmt das Steuer
Das interne Realwachstum, also die reine Mengenentwicklung, erreichte 2,8 Prozent. Erwartet hatten die Analysten 1,7 Prozent. Im zweiten Quartal waren es noch 1,8 Prozent gewesen. Die Preiserhöhungen trugen nur noch 1,1 Prozentpunkte bei, ihr Einfluss schwächt sich wie angekündigt ab.
Alle Regionen und global geführten Geschäfte steuerten positive Mengen bei. Besonders stark lief es in Asien, Ozeanien und Afrika mit 5,0 Prozent Mengenwachstum, dem höchsten Wert der Zone seit dem ersten Quartal 2021. Indien legte organisch um 20 Prozent zu. Das Wassergeschäft wuchs organisch um 12,3 Prozent, auch dank des heißen Sommers in Europa.
Im Tierfutter ging es ebenfalls bergauf. Das organische Plus lag bei 5,3 Prozent, getragen von Katzenfutter. Schwächer blieb die Säuglingsnahrung: Der Rückruf von Babynahrung belastet die Sparte Nutrition weiter, das organische Wachstum lag dort nur bei 0,3 Prozent. In Europa insgesamt wuchs Nestlé organisch lediglich um 1,2 Prozent, Deutschland bleibt ein schwieriger Markt.
Russland verlässt die Bilanz
Neben den Zahlen meldet der Konzern einen Einschnitt. Die russischen Gesellschaften stehen nach einem Präsidentendekret unter vorübergehender externer Verwaltung. Nestlé bleibt rechtlicher Eigentümer, hat aber keine Kontrolle mehr und konsolidiert das Geschäft seit Ende September nicht mehr.
Russland steuerte annualisiert rund 2 Prozent des Umsatzes bei, am operativen Gewinn und am freien Cashflow hielt es 3 bis 4 Prozent. Nettovermögen von etwa 1,6 Milliarden Franken wurden ausgebucht. Hinzu kommt eine nicht zahlungswirksame Belastung von rund 1,4 Milliarden Franken aus Währungseffekten.
Die Nettoverschuldung steigt dadurch zum Jahresende um etwa 0,9 Milliarden Franken. Für das bereinigte Ergebnis 2026 erwartet das Management nur begrenzte Folgen.
Ziele bleiben, Portfolio wird schlanker
Die Jahresziele hat der Konzern bestätigt: organisches Wachstum von 3 bis 4 Prozent, eine bessere bereinigte operative Marge als die 16,1 Prozent aus 2025 und ein freier Cashflow über 9 Milliarden Franken. Die Marge im zweiten Halbjahr soll ungefähr dem ersten Halbjahr entsprechen.
Parallel dazu trimmt Nestlé sein Portfolio. Das Geschäft mit gängigen Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln geht für 1,0 Milliarden Dollar an Yellow Wood Partners. Dazu zählen Marken wie Nature’s Bounty und Puritan’s Pride. Der Abschluss steht unter Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und wird bis zur ersten Jahreshälfte 2027 erwartet.
Heute um 9:30 Uhr stellt sich das Management in der Analystenkonferenz den Fragen zu Mengentrend, Margenpfad und den Russland-Folgen.
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