Die gestern bekannt gewordene Einstellung der Strafverfolgung gegen Nestlé Waters Supply Est beendet einen konkreten Rechtsstreit in Frankreich. Eine umfassende Entwarnung bedeutet sie für Nestlé nicht: Separate französische Verfahren bleiben unberührt.
Zugleich wurde gestern eine neue Klage gegen Gerber Products Company und Nestlé USA in Texas bekannt. Für Anleger stehen damit eine abgeschlossene rechtliche Belastung und neue, noch ungeprüfte Vorwürfe nebeneinander.
Verpflichtungen in Épinal erfüllt
Medienberichten zufolge stellte die Staatsanwaltschaft Épinal die Strafverfolgung ein, nachdem Nestlé Waters die Verpflichtungen aus einer 2024 geschlossenen Vereinbarung erfüllt hatte. Dazu gehörten eine Zahlung von mehr als 2,5 Millionen Euro sowie ökologische Wiederherstellungsarbeiten.
Die behördliche Feststellung erfolgte am 9. Oktober. Entscheidend ist der begrenzte Geltungsbereich: Die Erfüllung der Vereinbarung führte zum Erlöschen der öffentlichen Klage in diesem Fall. Daraus lässt sich kein Abschluss sämtlicher rechtlicher Auseinandersetzungen um das französische Wassergeschäft ableiten.
Für die Bewertung der Nachricht zählt deshalb vor allem die Trennung zwischen erledigten Verpflichtungen und fortbestehenden Verfahren. Die Einstellung ist eine positive Rechtsentwicklung für die betroffene Tochtergesellschaft. Sie rechtfertigt aber keine pauschale Neubewertung aller Rechtsrisiken des Konzerns. Eine direkte Wirkung dieser Nachricht auf die Aktienkursentwicklung ist nicht belegt.
Neue Vorwürfe in Texas
Auf der anderen Seite verklagte der texanische Generalstaatsanwalt Gerber Products Company und dessen Muttergesellschaft Nestlé USA. Gegenstand sind angeblich irreführende Aussagen zur Sicherheit und Prüfung von Gerber-Babynahrung sowie behauptete Belastungen mit Arsen und Blei.
Dabei handelt es sich um Klagebehauptungen, nicht um gerichtlich festgestellte Verstöße. Anders als in Épinal liegt hier somit kein abgeschlossener Sachverhalt vor. Die beiden Nachrichten betreffen unterschiedliche Gesellschaften und unterschiedliche Vorwürfe; sie lassen sich rechtlich nicht miteinander verrechnen.
Der nächste angekündigte Termin für einen Blick auf das operative Geschäft ist der 22. Oktober. Nestlé will dann die Umsätze des dritten Quartals und der ersten neun Monate 2026 veröffentlichen.
Dieser Umsatzbericht setzt einen anderen Schwerpunkt als die Rechtsmeldungen. Die Einstellung in Épinal dokumentiert die Erfüllung konkreter Verpflichtungen. Sie liefert für sich genommen jedoch keine Aussage über die Umsatzentwicklung. Für Anleger bleibt diese Unterscheidung zentral: Rechtliche Entlastung in einem Einzelfall und operative Geschäftsentwicklung sind getrennte Bewertungsfragen.
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