Wenn die Märkte wackeln, gilt Nestle traditionell als Anker. Am Mittwoch zeigte sich: Ganz ohne Kratzer kommt auch der Lebensmittelriese nicht durch den Tag. Die Aktie gab im Schweizer Handel um 0,3 Prozent nach, der Gesamtmarkt verlor etwas mehr.
Inflationsdaten drücken auf den Schweizer Markt
Der SMI schloss 0,6 Prozent tiefer bei 13.830 Punkten. Auslöser waren überraschend hohe Inflationszahlen aus Europa. In Frankreich stieg die Teuerung im September auf 3,4 Prozent, erwartet worden waren 3,1 Prozent. Italien meldete sogar 4,1 Prozent nach 3,2 Prozent im August.
Aus den USA kam das Gegenteil. Die dortigen Inflationsdaten fielen niedriger aus als prognostiziert, die Erwartung einer Zinserhöhung der Fed im Oktober sank weiter. Unternehmensnachrichten waren Mangelware, die defensiven Schwergewichte gaben nur leicht nach. Novartis verlor 0,8 Prozent, Roche 0,1 Prozent.
Schokolade als Warnsignal im Sektor
Im Branchenumfeld sorgte Lindt & Sprüngli zuletzt für Unruhe. Der Schokoladenhersteller senkte in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal die Prognose und erwartet nun nur noch 0 bis 2 Prozent organisches Umsatzwachstum, zuvor waren 4 bis 6 Prozent vorgesehen. Die Aktie brach am Dienstag um 8,4 Prozent ein und erholte sich am Mittwoch nur minimal. Barry Callebaut legte um 0,6 Prozent zu.
Politischer Gegenwind und Hoffnung bei den Kosten
Zusätzlich rückt die deutsche Zuckersteuer näher. Nach einem Entwurf des Finanzministeriums soll sie ab 1. Juli 2027 auf Getränke mit mindestens fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter greifen. Der Staat rechnet mit knapp einer Milliarde Euro Einnahmen im Jahr. Zero-Getränke und reine Säfte blieben ausgenommen. Der Plan muss noch abgestimmt werden, in der Unionsfraktion und in mehreren Bundesländern gibt es Widerstand.
Auf der Kostenseite deutet sich unterdessen Entlastung an: Günstigere Rohstoffe wie Kakao und Kaffee nähren Spekulationen über eine Margenwende bei Nestle.
Die Bewertung bleibt im Analystenlager gemischt, aber überwiegend konstruktiv. Die Kursziele reichen von 74 bis 99 Franken. Bei einer zuletzt gezahlten Dividende von 3,10 Franken je Aktie bleibt die Ausschüttungsrendite ein Argument für defensive Anleger. Am Freitag folgen die Inflationsdaten der Eurozone, die dem Sektor den nächsten Impuls liefern dürften.
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