Nestlé kämpft an zwei Fronten. Während Analysten vor einem schwachen Kaffeegeschäft warnen, belastet eine Milliardenforderung aus Frankreich die Stimmung. Der Konkurrent Bonneval Waters fordert eine horrende Summe. Das sorgt für Unruhe auf dem Parkett.
Milliardenrisiko im Wassergeschäft
Der Rechtsstreit im Wassersegment verschärft sich. Bonneval Waters verlangt 1,6 Milliarden Euro Schadensersatz von der Nestlé-Tochter. Der Vorwurf wiegt schwer: Der Konzern soll bei der Aufbereitung von Mineralwasser verbotene Verfahren eingesetzt haben. Nestlé selbst weist diese Anschuldigungen als unbegründet zurück.
Das finanzielle Risiko ist beachtlich. Die Forderung entspricht etwa der Hälfte des Jahresumsatzes der Wassersparte von 3,1 Milliarden Schweizer Franken. Neben dem Geld verlangt der Kläger einen Rückruf der betroffenen Produkte. Marktbeobachter werten die Summe als erhebliche potenzielle Belastung für die Bilanz.
Analysten mahnen zur Vorsicht
Parallel dazu bietet die fundamentale Seite wenig Rückenwind. Bernstein Research stuft die Aktie auf „Market-Perform“ mit einem Kursziel von 74 Franken ein. Analyst Callum Elliott sieht Belastungen im wichtigen Kaffeegeschäft. Diese könnten positive Überraschungen bei den kommenden Quartalszahlen verhindern.
Die Großbank UBS bleibt mit einem Kursziel von 80 Franken ebenfalls vorsichtig. Zwar erwartet Analyst Guillaume Delmas ein besseres Mengenwachstum im zweiten Quartal. Er wartet jedoch auf die Bestätigung dieser operativen Fortschritte in den harten Zahlen. Erst dann sei eine Neubewertung der Aktie gerechtfertigt.
Charttechnik liefert Puffer
Die Aktie notiert aktuell bei 90,74 Euro. Trotz des leichten Tagesminus von 0,45 Prozent bleibt der langfristige Aufwärtstrend intakt. Seit Jahresbeginn legte der Wert um 7,23 Prozent zu und partizipiert damit an der Erholung defensiver Konsumtitel.
Technisch gesehen steht das Papier stabil über dem 200-Tage-Durchschnitt von 84,27 Euro. Der Abstand zu diesem Trendindikator beträgt über sieben Prozent. Der Relative-Stärke-Index signalisiert mit 66,9 Punkten ein gesundes Momentum ohne unmittelbare Überhitzung.
Klarheit bringen die Halbjahreszahlen im Juli. Dann muss der Vorstand beweisen, dass die Absatzmengen in Europa und Nordamerika tatsächlich anziehen. Bis dahin bestimmen der Rechtsstreit in Frankreich und die Volatilität bei den Kaffeepreisen den weiteren Kursverlauf.
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