Am Donnerstag signalisierte das Management von Nemetschek Zuversicht in die künftige Entwicklung des Softwareunternehmens. Ein Vorstandsmitglied erwarb 1.600 Anteile zu einem Durchschnittspreis von 62,31 Euro. Dies ist bereits der zweite bedeutende Insiderkauf innerhalb weniger Wochen, nachdem der Aufsichtsratsvorsitzende Kurt Dobitsch bereits am 3. August eigene Mittel in das Papier investiert hatte. Diese Schritte erfolgen in einer Phase, in der sich das Unternehmen nach einem volatilen ersten Halbjahr operativ stabilisiert.
Operatives Wachstum und starke Abonnements
Die vor gut drei Wochen veröffentlichten Kennzahlen für das zweite Quartal 2026 unterstreichen diese Dynamik. Nemetschek steigerte den Konzernumsatz um 12,8 Prozent auf 327,66 Millionen Euro.
Ein wesentlicher Treiber war das Geschäft mit Subskriptionen und Software-as-a-Service (SaaS), dessen Erlöse währungsbereinigt um fast ein Drittel zulegten. Trotz einer Belastung durch die Neubewertung von Bilanzpositionen in einer Konzerngesellschaft im einstelligen Millionenbereich verbesserte sich das Ergebnis je Aktie auf 0,57 Euro.
Das Management bestätigte die organische Prognose für das Gesamtjahr, die ein währungsbereinigtes Umsatzplus von 14 bis 15 Prozent vorsieht. Dabei wird eine operative Marge zwischen 32 und 33 Prozent angestrebt. Die Umstellung des Geschäftsmodells auf wiederkehrende Umsätze zeigt damit weiterhin die gewünschte Wirkung auf die Stabilität der Erträge.
Strategische Weichenstellungen im US-Markt
Ein zentraler Baustein der künftigen Expansion ist die Integration von Heavy Construction Systems Specialists (HCSS). Die Übernahme des texanischen Unternehmens wurde bereits Anfang Juli vollzogen und markiert die bisher größte Akquisition in der Firmengeschichte.
Nach dem Abschluss hält Nemetschek nun 72 Prozent an dem Spezialisten für Infrastruktur-Software, der im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 215 Millionen US-Dollar erzielte. Der frühere Eigentümer Thoma Bravo bleibt mit 28 Prozent an der Gesellschaft beteiligt.
Parallel dazu forciert Nemetschek seine technologische Erneuerung, um den Sorgen bezüglich einer möglichen Verdrängung klassischer CAD-Software durch künstliche Intelligenz zu begegnen.
Mit der Einführung von Bluebeam Max startete das Unternehmen eine agentenbasierte Lösung, die komplexe Aufgaben wie Mengenermittlungen und Dokumentenanalysen im Bauwesen automatisiert. Zudem investiert der Konzern gezielt in junge Unternehmen wie Morpholio und mbue, um KI-gestützte Design-Anwendungen fest im Portfolio zu verankern.
Analysten sehen weiteres Potenzial
Die Analysten von mwb research bestätigten nach der Vorlage der jüngsten Quartalsbilanz ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 89 Euro. Bereits im April hatte die Deutsche Bank Research das Papier auf eine Kaufliste gesetzt. Zwar verzeichnete der Titel zuletzt eine deutliche Erholung von 21 Prozent innerhalb der letzten 30 Tage, die Differenz zu früheren Höchstständen bleibt jedoch groß.
Der Abstand zu dem im Vorjahr erreichten 52-Wochen-Hoch beläuft sich derzeit auf 46 Prozent. Anleger blicken nun auf die kommenden Monate, in denen die vollständige Konsolidierung der HCSS-Zahlen die Wachstumsraten im Segment Build & Construct weiter beschleunigen dürfte.
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