Nemetschek Aktie: Rally bricht ab

Nemetschek verzeichnet Kursverlust von 6,5 Prozent, obwohl der Quartalsumsatz die Analystenerwartungen übertrifft. Ein Sondereffekt belastet die operative Marge.

Auf einen Blick:
  • Kursrückgang nach viertägiger Rallye
  • Umsatzwachstum übertrifft Analystenschätzungen
  • Sondereffekt drückt EBITDA-Marge
  • Jahresprognose trotz HCSS-Übernahme bestätigt

Vier Handelstage lang ging es für Nemetschek steil nach oben, fast ein Fünftel Kursgewinn stand zu Buche. Am Donnerstag reichten selbst solide Quartalszahlen nicht, um diesen Schwung fortzusetzen. Die Aktie des Bausoftware-Konzerns verlor im frühen Handel 6,5 Prozent — der Markt nahm Gewinne mit, nachdem ein Sondereffekt das operative Ergebnis gedrückt hatte.

Umsatz übertrifft, Marge enttäuscht

Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um 13,0 Prozent auf 327,7 Millionen Euro, währungsbereinigt sogar um 14,5 Prozent. Das lag über den Erwartungen der Analysten, die im Konsens mit 326 Millionen Euro gerechnet hatten. Beim operativen Ergebnis drehte sich das Bild: Das EBITDA stieg zwar um 11,5 Prozent auf 98,6 Millionen Euro, blieb aber deutlich unter der Analystenschätzung von 103 Millionen Euro.

Verantwortlich dafür war ein Sondereffekt aus der Neubewertung von Bilanzpositionen einer einzelnen Konzerngesellschaft, der sich im oberen einstelligen Millionenbereich bewegte. Die EBITDA-Marge rutschte von 30,5 Prozent im Vorjahresquartal auf 30,1 Prozent — Analysten hatten mit 31,4 Prozent kalkuliert. Unter dem Strich verdiente Nemetschek dennoch 75,3 Millionen Euro beziehungsweise 65 Cent je Aktie, ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum.

Jefferies-Analyst Charles Brennan bezeichnete das Quartal als solide: Der währungsbereinigte Umsatzzuwachs sei zwar etwas langsamer als im ersten Quartal ausgefallen, aber besser als gemeinhin erwartet. Bei JPMorgan sieht Analyst Joseph George die zugrundeliegende Entwicklung robuster, als es das Ebitda auf den ersten Blick vermuten lasse.

Prognose bleibt trotz HCSS-Verwässerung bestehen

Nemetschek bekräftigte die erst vor wenigen Tagen um die HCSS-Übernahme angepasste Jahresprognose. Der Zukauf des US-Anbieters Heavy Construction Systems Specialists, zum 1. Juli abgeschlossen und mit über 2 Milliarden Euro bewertet, ist die bislang größte Übernahme des Münchener Konzerns. Die Private-Equity-Gesellschaft Thoma Bravo hält im Gegenzug einen Minderheitsanteil von 28 Prozent an der Build-Sparte, in der Nemetschek seine Bau-Aktivitäten bündelt.

Für 2026 hält der Konzern an einer EBITDA-Marge von 32 bis 33 Prozent fest, nach 31,2 Prozent im Vorjahr. HCSS dürfte die Marge um 150 Basispunkte verwässern, gleichzeitig aber rund 600 Basispunkte zusätzliches währungsbereinigtes Umsatzwachstum beisteuern. Ohne die akquisitionsbedingten Einmalaufwendungen hätte sich die Marge am oberen Ende der Zielspanne bewegt. Das organische Umsatzwachstum soll weiterhin bei 14 bis 15 Prozent liegen.

Die Build-Sparte, in der HCSS nun verankert ist, wächst derzeit am stärksten im Konzern und zog im Quartal mit der traditionell dominanten Design-Sparte umsatzmäßig gleich. Nemetschek-Chef Yves Padrines sieht im wachsenden Infrastruktur- und Tiefbaugeschäft in den USA einen wichtigen Wachstumstreiber und hat die Kernmarke Bluebeam zusätzlich mit KI-Funktionen ausgestattet.

Der Kursrückgang relativiert sich vor dem Hintergrund der jüngsten Erholung: Nach einem Einbruch von rund 90 Euro Anfang des Jahres auf Sorgen um die Softwarebranche durch aufkommende KI-Konkurrenz hatte sich die Aktie in wenigen Tagen um etwa ein Viertel verteuert. Der heutige Rücksetzer markiert eher eine Verschnaufpause nach dieser Erholung als eine fundamentale Neubewertung des Geschäfts.

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