Nemetschek zeigt sich nach dem Abschluss der größten Übernahme der Unternehmensgeschichte widerstandsfähig. Der Bausoftware-Spezialist bestätigte seine organischen Wachstumsziele für das laufende Jahr, während die Integration des US-Anbieters HCSS das künftige Umsatzprofil schärfen soll.
Im abgelaufenen zweiten Quartal konnte der Konzern seinen Gewinn deutlich steigern, sieht sich jedoch mit temporären Belastungen der operativen Marge konfrontiert.
Solide Quartalszahlen bei steigendem Gewinn
Im zweiten Quartal 2026 verzeichnete Nemetschek einen Umsatzanstieg um 13,0 Prozent auf 327,7 Millionen Euro. Medienberichten zufolge wurden damit die Markterwartungen leicht übertroffen, primär getrieben durch das Segment der Subskriptionen und Software-as-a-Service-Modelle. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) kletterte um 11,5 Prozent auf 98,6 Millionen Euro.
Besonders deutlich fiel das Plus beim Nettogewinn aus: Dieser stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 52,42 Millionen Euro auf 66,04 Millionen Euro. Das Ergebnis je Aktie kletterte damit auf 0,57 Euro, nach 0,45 Euro im Vorjahr.
Trotz dieser Zuwächse ging die EBITDA-Marge leicht auf 30,1 Prozent zurück. Belastend wirkten hierbei unter anderem Sondereffekte aus der Neubewertung von Bilanzpositionen einer einzelnen Konzerngesellschaft im oberen einstelligen Millionen-Euro-Bereich sowie Währungseinflüsse.
Strategischer Fokus auf Infrastruktur und KI
Ein Meilenstein für die Münchener war der Abschluss der Übernahme von Heavy Construction Systems Specialists (HCSS) zum 1. Juli. Das texanische Unternehmen gilt als etablierter Anbieter für den nordamerikanischen Tief- und Infrastrukturbau. Nemetschek erwartet durch diesen Zukauf einen positiven Beitrag von rund sechs Prozentpunkten zum währungsbereinigten Konzernumsatzwachstum im Jahr 2026. Da HCSS jedoch zunächst vollständig integriert werden muss und Abschreibungen auf den Kaufpreis (PPA-Effekte) anfallen, wird die EBITDA-Marge des Gesamtkonzerns voraussichtlich um etwa 150 Basispunkte verwässert.
Auf Segmentebene zeigte sich im zweiten Quartal ein gemischtes Bild. Während der Bereich „Build“ währungsbereinigt um 24,5 Prozent wuchs und eine EBITDA-Marge von 40,1 Prozent erzielte, verzeichnete das Segment „Design“ einen Rückgang der Profitabilität auf 22,7 Prozent.
Technologisch setzt das Unternehmen verstärkt auf Künstliche Intelligenz: Mit Bluebeam Max brachte Nemetschek im ersten Halbjahr eine Lösung auf den Markt, die automatisierte Dokumentenanalysen und Mengenermittlungen für die Bauindustrie ermöglicht.
Insiderkauf und Analysteneinschätzung
Das Vertrauen in die Strategie wird durch Aktivitäten im Umfeld des Aufsichtsrats untermauert. Am 3. August erwarb Kurt Dobitsch Nemetschek-Aktien zu einem Kurs von 61,10 Euro. Das Transaktionsvolumen für diesen Insiderkauf belief sich auf insgesamt 91.650 Euro.
Auch von Analystenseite gab es zuletzt Signale. Die Quirin Privatbank bekräftigte am 4. August ihre Kaufempfehlung. Die Experten verwiesen auf den starken Umsatz im zweiten Quartal, der die Erwartungen um 4,0 Prozent übertroffen habe. Dennoch senkte das Haus das Kursziel von 127 Euro auf 98 Euro, was den allgemeinen Bewertungen im Sektor Rechnung trägt.
An der Börse reflektiert das Papier die Herausforderungen des laufenden Jahres. Seit Jahresbeginn verzeichnet die Aktie ein Minus von 38 Prozent. Aktuell notiert sie bei 57,95 Euro und liegt damit rund 1,1 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt.
Für das Gesamtjahr 2026 bleibt das Management bei seiner organischen Prognose eines währungsbereinigten Umsatzwachstums von 14 bis 15 Prozent bei einer EBITDA-Marge zwischen 32 und 33 Prozent.
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