Das Vertrauen in die eigene Strategie hat bei Nemetschek gestern ein deutliches Gesicht bekommen. Ein Mitglied des Vorstands erwarb 1.600 Aktien des Softwareunternehmens zu einem Kurs von 62,31 Euro pro Stück. Mit einem Transaktionsvolumen von knapp 99.697 Euro sendet das Management damit ein Zeichen der Zuversicht an den Markt, während sich der Konzern in einer Phase tiefgreifender operativer Veränderungen befindet.
HCSS-Übernahme als größter Wachstumstreiber der Firmengeschichte
Der strategische Fokus von Nemetschek liegt aktuell auf der Integration der größten Akquisition der Unternehmenshistorie. Anfang Juli schloss der Konzern die Übernahme von Heavy Construction Systems Specialists (HCSS) mit Sitz in Texas ab. Nemetschek hält nun rund 72 % der Anteile an diesem Bereich innerhalb des Segments „Build & Construct“, während Thoma Bravo als Minderheitsaktionär verbleibt.
HCSS gilt als hochprofitabel und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 215 Millionen US-Dollar bei einer EBITDA-Marge von etwa 40 %. Die jährlichen wiederkehrenden Umsätze (ARR) des Zukaufs wuchsen zuletzt um 21 %, was die Neuausrichtung des Gesamtkonzerns unterstützt.
Für das laufende Geschäftsjahr 2026 hat Nemetschek die Prognose aufgrund dieser Konsolidierung bereits angepasst: Während das organische währungsbereinigte Umsatzwachstum bei 14 % bis 15 % erwartet wird, soll HCSS zusätzlich rund sechs Prozentpunkte zum Wachstum beisteuern.
Transformation zum Abo-Modell schreitet voran
Operativ profitiert Nemetschek weiterhin von der Umstellung auf Subskriptions- und SaaS-Modelle. Ende Juli gemeldete Zahlen verdeutlichten diesen Trend: Die währungsbereinigten Umsätze in diesem Bereich kletterten im zweiten Quartal um 29,6 % auf 266,4 Millionen Euro. Der gesamte jährlich wiederkehrende Umsatz (ARR) stieg währungsbereinigt um 17,4 % auf rund 1.249,5 Millionen Euro.
Trotz dieser Zuwächse steht der Konzern vor Herausforderungen in einzelnen Sparten. Medienberichten zufolge bereitet insbesondere das Design-Segment, das die Architektur-Sparte umfasst, Sorgen.
Eine deutlich geringere Profitabilität in diesem Bereich lastete zuletzt auf der operativen Marge. Für das Gesamtjahr peilt das Unternehmen eine EBITDA-Marge von 32 % bis 33 % an, wobei die HCSS-Akquisition die Marge rechnerisch um etwa 150 Basispunkte verwässert.
Erholungstrend nach schwierigem Jahresverlauf
An der Börse zeigt sich nach einer langen Schwächephase eine Stabilisierung. Mit einem aktuellen Kurs von 65,35 Euro notiert das Papier inzwischen wieder rund 30 % über seinem 52-Wochen-Tief, das Ende Juni bei 50,45 Euro markiert wurde. Charttechnisch verbesserte sich das Bild bereits am vergangenen Freitag, als die Aktie die 100-Tage-Linie nach oben kreuzte.
Die kurzfristige Erholung kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Aktie auf längere Sicht noch Aufholbedarf hat. Seit Beginn des Jahres verzeichnet der Titel ein Minus von 30 %. Anleger beobachten nun genau, ob die Synergien aus dem HCSS-Zukauf die schwächelnde Architektur-Sparte kompensieren können und ob die Marge wie prognostiziert gehalten wird.
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