Der Münchener Bausoftware-Spezialist Nemetschek hat das zweite Quartal 2026 mit einem deutlichen Umsatz- und Ergebnissprung abgeschlossen und treibt die Expansion im nordamerikanischen Markt voran. Durch die Integration des zum 1. Juli übernommenen Infrastruktursoftware-Anbieters HCSS erweitert das Unternehmen zudem seine Jahresprognose, sieht sich jedoch kurzfristig mit einer Verwässerung der operativen Marge konfrontiert.
Zweistelliges Umsatzwachstum und neue Prognose
Im zweiten Quartal stieg der Umsatz der Nemetschek SE währungsbereinigt um 14,5 Prozent auf 327,7 Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erreichte eine bereinigte Marge von 31,0 Prozent, während sich das Ergebnis je Aktie um 25,3 Prozent auf 0,57 Euro verbesserte.
Medienberichten zufolge profitierte der Konzern dabei insbesondere von der fortlaufenden Umstellung auf das Subskriptionsmodell (SaaS), das planbare Erlöse sichert.
Mit dem Vollzug der HCSS-Übernahme zum Beginn des dritten Quartals hat der Vorstand seine Erwartungen an das Gesamtjahr 2026 angepasst. Die Akquisition soll rund 600 Basispunkte zum gesamten Umsatzwachstum beitragen.
Gleichzeitig rechnet Nemetschek damit, dass die Einbindung des US-Unternehmens die EBITDA-Marge initial um etwa 150 Basispunkte verwässern wird. Der organische Ausblick für das laufende Geschäft blieb von diesen Anpassungen unberührt.
Analysten bewerten SaaS-Potenzial und Währungsrisiken
Die jüngsten Geschäftszahlen und die strategische Ausrichtung stießen bei Analystenhäusern auf ein geteiltes Echo. Die Analysten von JPMorgan bestätigten am 30. Juli ihre Einstufung auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 110 Euro. Sie sehen das Unternehmen als maßgeblichen Profiteur des globalen Trends zu Software-as-a-Service-Lösungen im Bausektor.
Dagegen äußerte sich die UBS skeptischer. Analyst Michael Briest senkte sein Kursziel am 4. August von 53 Euro auf 52 Euro und behielt das Urteil „Sell“ bei. Er verwies insbesondere auf mögliche Unsicherheiten bei der Ergebnisqualität, die durch Währungseffekte entstehen könnten.
Positiv wertete Briest jedoch die Übernahme der Computerworks AG, durch die künftige Provisionszahlungen in einer Größenordnung von 25 bis 30 Prozent entfallen dürften. Weitere Marktexperten, darunter die Quirin Privatbank und mwb research, reduzierten ihre Kursziele Anfang August ebenfalls leicht, halten jedoch an ihren Kaufempfehlungen fest.
Vertrauensbeweis durch Insiderkäufe im Aufsichtsrat
Parallel zur operativen Entwicklung setzte die Führungsebene ein Signal am Kapitalmarkt. Aufsichtsrat Kurt Dobitsch erwarb am 30. Juli insgesamt 1.500 Aktien zum Preis von 61,10 Euro je Stück, was einem Investitionsvolumen von über 91.000 Euro entspricht. Dieser Zukauf erfolgte unmittelbar nach der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen.
An der Börse verzeichnete das Papier am vergangenen Freitag einen deutlichen Zuwachs von 6,87 Prozent. Trotz der jüngsten Erholung notiert die Aktie mit einem aktuellen Kurs von 61,05 Euro seit Jahresbeginn noch immer 34,21 Prozent im Minus. Damit bleibt das Papier auch mit einem Abstand von 14,66 Prozent unter dem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage, was die anhaltende Volatilität im Technologiesektor widerspiegelt.
Die nächsten detaillierten Einblicke in den Geschäftsverlauf und den Integrationsstand von HCSS werden mit der Quartalsmitteilung zum 3. Quartal am 5. November erwartet.
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