Fast 41 Prozent Kursverlust seit Jahresbeginn — und das bei einem Unternehmen, das operativ wächst. Nemetschek steckt in einem Dilemma: starke Zahlen, aber ein Markt, der die Aktie trotzdem abstraft.
KI-Wette auf Datenaustausch
Am 18. Juni wurde Nemetschek strategischer Investor beim französischen Unternehmen Dawex. Dawex baut Plattformen für datengesteuerte Ökosysteme. Nemetschek will damit KI-Technologien tiefer in den Lebenszyklus von Bau- und Infrastrukturprojekten verankern.
Das Timing ist interessant. Genau dann, wenn Investoren Software-Werte meiden, setzt Nemetschek ein KI-Signal. Ob das reicht, ist fraglich.
Starke Zahlen, schwacher Kurs
Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz währungsbereinigt um 17 Prozent auf 313,1 Millionen Euro. Das EBITDA stieg um 22 Prozent auf 98,4 Millionen Euro. Fürs Gesamtjahr plant Nemetschek ein organisches Umsatzwachstum von 14 bis 15 Prozent sowie eine EBITDA-Marge von 32 bis 33 Prozent.
Die Berenberg Bank bestätigte am 19. Juni ihr „Buy“-Rating mit Kursziel 115 Euro. Analyst Nay Soe Naing formulierte es nüchtern: Stabiles Wachstum und ein solider Auftragsbestand reichen derzeit nicht aus, um Käufer anzulocken. Anleger seien sehr selektiv und mieden Unternehmen, die nicht klar als KI-Gewinner gelten.
Kein Wunder, dass der Kurs nachgibt.
Technisch am Limit
Die Aktie schloss am Freitag bei 53,55 Euro — nur 1,23 Prozent über dem frischen 52-Wochen-Tief von 52,90 Euro. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt minus 33 Prozent. Der RSI liegt bei 33,3 und zeigt eine überverkaufte Lage an.
Über zwölf Monate hat die Aktie mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. Das 52-Wochen-Hoch vom August 2025 lag bei 137,90 Euro — mehr als 60 Prozent über dem aktuellen Kurs.
Am 30. Juli veröffentlicht Nemetschek den Halbjahresbericht für das zweite Quartal 2026. Bestätigt das Unternehmen die Jahresziele, könnte das der erste konkrete Anlass für eine Kurserholung sein.
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