Nemetschek Aktie: 38,79% Minus trotz 14,5% Wachstum

Nemetschek meldet starkes Umsatzplus, doch der Wandel zum Abo-Modell und die HCSS-Übernahme drücken die Marge. Analysten uneins über die Aktie.

Auf einen Blick:
  • Umsatzplus von 14,5 Prozent im Q2
  • Jahresprognose angehoben, Marge sinkt
  • UBS stuft Aktie auf Sell herab
  • Aufsichtsratschef kauft Aktien

Selten liegen Wachstumsstory und Kursrealität so weit auseinander wie bei Nemetschek in diesem Sommer. Der Münchner Softwarekonzern für die Baubranche wandelt sich gerade vom klassischen Lizenzverkäufer zum Abo-Anbieter – ein Umbau, den die gesamte Softwarebranche seit Jahren durchläuft. Die Zahlen dazu klingen stark. Die Börse straft das Papier trotzdem ab.

Am 30. Juli meldete Nemetschek für das zweite Quartal ein währungsbereinigtes Umsatzplus von 14,5 Prozent auf 327,7 Millionen Euro und hob im selben Zug die Jahresprognose an. Am Kapitalmarkt zählte das kaum. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 56,80 Euro, nach einem Rückgang von 38,79 Prozent seit Jahresbeginn. Zum Zwölfmonatshoch vom August 2025 fehlen inzwischen 59,02 Prozent.

Der Umbau kostet – noch

Der Wandel zum Abo-Modell zeigt sich in den Details deutlicher als in der Schlagzeile. Die Subscription-Umsätze legten im ersten Halbjahr um 29,6 Prozent auf 266,4 Millionen Euro zu, das Ergebnis je Aktie stieg im zweiten Quartal um 25,3 Prozent auf 0,57 Euro. Ein Teil dieses Wachstums stammt aus Zukäufen: Zum 1. Juli schloss Nemetschek die Übernahme des US-Anbieters HCSS ab und konsolidiert das Unternehmen seither im Segment „Build“.

Am 28. Juli erweiterte der Vorstand deshalb per Ad-hoc-Mitteilung den Ausblick: HCSS soll rund 600 Basispunkte zusätzliches währungsbereinigtes Umsatzwachstum beisteuern. Der Preis dafür ist eine verwässerte Marge. Einmaleffekte drücken die EBITDA-Marge um etwa 150 Basispunkte auf eine Spanne von 30,5 bis 31,5 Prozent. Genau an diesem Punkt setzt die Skepsis der Analysten an.

Zwei Analysten, ein Papier, zwei Welten

Die Gemengelage aus Wachstum und Margendruck sorgt für einen ungewöhnlich breiten Meinungskorridor. UBS stufte die Aktie am Dienstag von Neutral auf Sell herab und senkte das Kursziel von 53 auf 52 Euro, begründet mit Zweifeln an der Ergebnisqualität und kurzfristigen Belastungen für das EBITDA.

Sebastian Droste von der Quirin Privatbank sieht die Lage differenzierter. Am selben Tag bestätigte er die Einstufung Buy, senkte das Kursziel aber von 127 auf 98 Euro – begründet mit konservativeren langfristigen Wachstumsannahmen und einem höheren Beta für die Aktie. Zwischen den Kurszielen der beiden Häuser liegt eine Spanne, die kaum größer sein könnte. Bereits am 30. Juli, direkt nach Auswertung der Halbjahreszahlen, hatte JPMorgan die Einstufung Overweight bestätigt. Wachstum ja, Vertrauen in die Marge – darüber gehen die Meinungen offenkundig auseinander.

Ein Aufsichtsrat kauft, wenn andere zweifeln

Ausgerechnet in dieser Phase griff Aufsichtsratschef Kurt Dobitsch selbst zu. Am 30. Juli erwarb er über die Börse Xetra 1.500 Nemetschek-Aktien zum Durchschnittspreis von 61,10 Euro, ein Gesamtvolumen von 91.650 Euro. Ist das ein Vertrauensbeweis von innen – oder nur ein einsamer Kontrapunkt gegen eine Analystenwelle voller Kurszielsenkungen? Beweisen lässt sich das nicht, ein Signal ist es allemal.

Der nächste Test kommt im November

Nemetschek steht damit exemplarisch für einen Strukturwandel, den die gesamte Bausoftwarebranche gerade durchläuft: Wachstum über Zukäufe und Abo-Modelle lässt sich nicht ohne Reibungsverluste erkaufen. Kunden wandern von Einmallizenzen in laufende Verträge, Übernahmen wie HCSS beschleunigen den Umsatz, verwässern aber kurzfristig die Marge. Ob sich diese Rechnung langfristig auszahlt, dürfte sich frühestens zeigen, wenn Nemetschek am 5. November die Zahlen zum dritten Quartal vorlegt. Bis dahin bleibt die Aktie ein Spiegelbild der Frage, wie viel Geduld der Markt einem Umbau noch zugesteht, der auf dem Papier längst funktioniert.

Nemetschek-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nemetschek-Analyse vom 07. August liefert die Antwort:

Die neusten Nemetschek-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nemetschek-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 07. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Nemetschek: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Disclaimer

Hinweis: Teile dieses Artikels wurden mithilfe Künstlicher Intelligenz erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Die auf finanztrends.de angebotenen Beiträge dienen ausschließlich der Information. Die hier angebotenen Beiträge stellen zu keinem Zeitpunkt eine Kauf- beziehungsweise Verkaufsempfehlung dar. Sie sind nicht als Zusicherung von Kursentwicklungen der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren ist risikoreich und birgt Risiken, die den Totalverlust des eingesetzten Kapitals bewirken können. Die auf finanztrends.de veröffentlichen Informationen ersetzen keine, auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtete, fachkundige Anlageberatung. Es wird keinerlei Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden übernommen. finanztrends.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinen Einfluss und vor Veröffentlichung sämtlicher Beiträge keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand dieser. Die Veröffentlichung der namentlich gekennzeichneten Beiträge erfolgt eigenverantwortlich durch Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen o.ä. Demzufolge kann bezüglich der Inhalte der Beiträge nicht von Anlageinteressen von finanztrends.de und/ oder seinen Mitarbeitern oder Organen zu sprechen sein. Die Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen usw. gehören nicht der Redaktion von finanztrends.de an. Ihre Meinungen spiegeln nicht die Meinungen und Auffassungen von finanztrends.de und deren Mitarbeitern wider. (Ausführlicher Disclaimer)