Starke Zahlen, schwacher Kurs. Bei Nemetschek klaffen operatives Geschäft und Börsenbewertung weit auseinander. Die Aktie fällt auf ein neues Drei-Jahres-Tief. Parallel dazu bereitet der Bausoftware-Konzern den größten Zukauf seiner Geschichte vor.
Der freie Fall an der Börse
Der Ausverkauf beschleunigt sich. Am Freitag schloss das Papier bei 53,30 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf rund 41 Prozent. Damit notiert der Wert nur knapp über dem neuen 52-Wochen-Tief.
Das operative Geschäft zeichnet ein völlig anderes Bild. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz währungsbereinigt um 17 Prozent. Das operative Ergebnis kletterte sogar um fast 30 Prozent. Die Analysten der DZ Bank werten den Ausblick als solide.
Milliarden-Wette auf den Tiefbau
Während der Kurs sinkt, treibt das Management die Expansion voran. Nemetschek kauft den US-Softwarespezialisten HCSS. Der Deal kostet rund 2,4 Milliarden US-Dollar. Damit steigt der Konzern direkt in den Markt für Tiefbau-Software ein.
Verkäufer ist der Finanzinvestor Thoma Bravo. Dieser behält künftig 28 Prozent der Anteile am neuen Segment. Nemetschek übernimmt die restlichen 72 Prozent. Die Münchener erwarten bis 2028 jährliche Synergien in zweistelliger Millionenhöhe.
Der Markt für Infrastruktur-Software wächst rasant. Veraltete Straßen und die Energiewende treiben die Nachfrage. Nemetschek erweitert mit dem Zukauf seine Reichweite deutlich. Bisher lag der US-Fokus auf klassischen Hochbau-Tools.
Belastung für den Gewinn
Am 30. Juli legt Nemetschek die Zahlen für das erste Halbjahr vor. Bestätigt das Unternehmen die hohe Nachfrage nach Abos, könnte das den Abwärtstrend bremsen. Das Ziel: Vertrauen zurückgewinnen.
Kurzfristig bringt die Übernahme allerdings finanzielle Lasten mit sich. Nemetschek refinanziert die bestehenden HCSS-Schulden. Das erhöht die Nettoverschuldung des Konzerns um 450 Millionen Euro.
Hinzu kommt ein Dämpfer für den Gewinn je Aktie. Der Minderheitsanteil für Thoma Bravo übersteigt anfangs den Ergebnisbeitrag von HCSS. Die Integrationskosten drücken zusätzlich auf die Marge. Bis die Synergien voll greifen, verlangt der Konzern seinen Aktionären Geduld ab.
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