Nemetschek hat mit den Zahlen für das zweite Quartal 2026 ein zweistelliges Umsatzwachstum vorgelegt – und dennoch senken mehrere Analysehäuser ihre Kursziele. Der Umsatz stieg um 13,0 Prozent auf 327,7 Millionen Euro, zu konstanten Wechselkursen betrug das Plus sogar 14,5 Prozent.
Der Softwarekonzern bestätigte zudem seine Jahresprognose: Für 2026 rechnet das Management weiterhin mit einem organischen Umsatzwachstum von 14,0 bis 15,0 Prozent und einer EBITDA-Marge zwischen 32,0 und 33,0 Prozent.
Die Reaktion der Analysten fällt gemischt aus. Die Quirin Privatbank bestätigte am 4. August ihre Kaufempfehlung, senkte das Kursziel jedoch auf 98 Euro. Auch mwb research blieb bei „Kaufen“, reduzierte die Zielmarke aber am 3. August von 91 auf 89 Euro – als Gründe nannte das Haus neben den soliden Quartalszahlen den währungsbedingten Margendruck und Effekte aus der Integration von HCSS.
UBS bewertet die Aktie deutlich skeptischer: Die Schweizer Bank senkte ihr Kursziel im Zuge der Quartalsbewertung von 53 auf 52 Euro und beließ die Einstufung bei „Sell“.
Insider kauft, Kursziele bleiben deutlich über dem aktuellen Niveau
Ein Signal aus dem eigenen Haus setzte Vorstandsmitglied Kurt Dobitsch: Er erwarb Aktien im Wert von 91.650 Euro zu einem Kurs von 61,10 Euro, wie eine Pflichtmitteilung zeigte. Der Kauf datiert auf den 30. Juli und fällt damit in die Phase unmittelbar vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen.
Bemerkenswert ist die Spanne zwischen den aktuellen Kurszielen und dem Börsenkurs. Selbst das vorsichtigste der beiden „Buy“-Ratings liegt mit 89 Euro deutlich über dem Schlusskurs von 61,80 Euro am Freitag.
Die Aktie legte an diesem Tag um 6,4 Prozent zu und hat auf Monatssicht bereits 11 Prozent gewonnen. Der langfristige Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 124,70 Euro, das im vergangenen August markiert wurde, bleibt mit 50 Prozent jedoch erheblich.
Strategische Expansion in Indien als Randnotiz
Neben den Zahlen meldete die indische Tochtergesellschaft Nemetschek India eine strategische Partnerschaft mit Novatr. Ziel ist der Aufbau eines Ausbildungspools für die Bau- und Architekturbranche (AEC) in Indien. Für das Konzernergebnis dürfte dieser Schritt kurzfristig keine große Rolle spielen, er unterstreicht aber die internationale Ausrichtung des Unternehmens abseits der Kernmärkte.
Insgesamt zeigt sich ein Bild widersprüchlicher Signale: Solide operative Zahlen und eine bestätigte Guidance stehen sinkenden Kurszielen gegenüber, während ein Vorstandsmitglied kurz vor der Veröffentlichung der Zahlen eigene Aktien kaufte. Für Anleger bleibt die Aktie damit ein Fall, bei dem fundamentale Stärke und Marktskepsis – ablesbar an der weiterhin hohen 30-Tage-Volatilität von 61 Prozent – nebeneinander bestehen.
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