Nemetschek liefert operativ starke Zahlen, die Aktie wirkt trotzdem schwer beschädigt. Genau diese Lücke macht den Fall spannend. Im Mai haben vier große Häuser ihre Modelle aktualisiert. Alle raten zum Kauf.
Der Markt glaubt die Geschichte noch nicht. Am Freitag schloss die Aktie bei 62,35 Euro, seit Jahresanfang steht ein Minus von 30,99 Prozent. Über zwölf Monate summiert sich der Rückgang sogar auf 49,19 Prozent.
Analysten sehen deutlich mehr Spielraum
Der durchschnittliche Zielkurs der vier aktuellen Studien liegt bei 103,75 Euro. Das signalisiert viel Vertrauen in die operative Entwicklung. Es zeigt aber auch, wie groß der Abstand zwischen Börsenstimmung und Analystenbild geworden ist.
Die einzelnen Kursziele fallen klar positiv aus:
- Goldman Sachs: 100,00 Euro, veröffentlicht am 12. Mai
- Jefferies: 90,00 Euro, veröffentlicht am 6. Mai
- JP Morgan: 110,00 Euro, veröffentlicht am 1. Mai
- Berenberg: 115,00 Euro, veröffentlicht am 1. Mai
Die Spanne ist breit, aber die Richtung stimmt überein. Kein Haus stellt die Aktie nur auf Halten oder Verkaufen. Das ist nach dem Kursrutsch ein auffälliges Signal.
Starkes Quartal stützt die These
Operativ startete Nemetschek robust ins Jahr. Der Umsatz stieg im ersten Quartal währungsbereinigt um 17 Prozent auf 313,1 Millionen Euro. Das Wachstum kommt aus einem Markt, der weiter digitaler wird.
Noch stärker fiel der Gewinnhebel aus. Das EBITDA legte währungsbereinigt um fast 30 Prozent auf 98,4 Millionen Euro zu. Die Marge erreichte 31,4 Prozent.
Auch unter dem Strich lief es rund. Das Nettoergebnis wuchs um 34,5 Prozent auf 60,4 Millionen Euro. Damit liefert der Softwareanbieter genau jene Profitabilität, die viele Wachstumswerte zuletzt schuldig blieben.
HCSS soll den Markt öffnen
Ein weiterer Baustein ist die angekündigte Übernahme von HCSS. Der Anbieter ist auf Software für Infrastruktur und Tiefbau spezialisiert. Damit stärkt Nemetschek das Segment Build & Construct.
Der Deal soll später im laufenden Jahr abgeschlossen werden. Der adressierbare Markt in diesem Segment soll bis 2028 auf rund 12 Milliarden US-Dollar wachsen. Das erklärt, warum Analysten den Schritt strategisch ernst nehmen.
Nemetschek soll etwa 72 Prozent am Build-&-Construct-Segment halten. Thoma Bravo bleibt mit rund 28 Prozent als Minderheitsaktionär beteiligt. Damit kombiniert der Konzern Kontrolle mit einem finanzstarken Partner.
Technisch bleibt das Bild angeschlagen. Die Aktie liegt 25,74 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt, während der RSI mit 85,5 bereits sehr heiß wirkt. Kurzfristig kann das bremsen.
Der Kern ist damit klar: Die Analysten setzen auf Wachstum, Marge und den HCSS-Effekt. Der Kurs preist dagegen weiter viel Skepsis ein. Nach dem schwachen Börsenjahr muss Nemetschek nun zeigen, dass das starke Quartal kein Ausreißer war.
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