Nel ASA vor dem CEO-Wechsel: Wie entscheidend wird die Nachfolgefrage?

Symbolbild, KI-generiert

Nel ASA steigert den PEM-Auftragseingang deutlich, kämpft aber mit Umsatzrückgang und offener CEO-Suche vor dem Q3-Bericht.

Auf einen Blick:
  • PEM-Auftragseingang steigt um 224 Prozent
  • Auftragsbestand erreicht 990 Millionen Kronen
  • Alkaline-Umsatz sinkt um 14 Prozent
  • CEO-Nachfolge weiterhin nicht entschieden

Ausgangslage

Nel ASA steckt mitten im Führungsübergang. Seit Mitte Juni läuft die sechsmonatige Kündigungsfrist von Håkon Volldal, der das Unternehmen seit Juli 2022 geführt und die Strategie, das Produktportfolio sowie zentrale Partnerschaften neu ausgerichtet hatte. Ein Nachfolger steht bislang nicht fest, der Aufsichtsrat sucht weiter.

Für Anleger zählt dieser Vorgang jetzt besonders, weil er zeitlich mit einer heiklen operativen Phase zusammenfällt: Der Auftragsbestand im PEM-Segment wächst kräftig, während die Alkaline-Sparte schrumpft. Wer diesen Umbruch künftig steuert, entscheidet mit, ob Nel den eingeschlagenen Kurs konsequent fortsetzt oder neu justiert.

Die entscheidende Frage

Der zentrale Faktor für die kommenden Monate ist die Fähigkeit des Unternehmens, den Auftragsschwung im PEM-Geschäft in tragfähigen Umsatz zu übersetzen, während die Chefetage im Übergang ist. Im zweiten Quartal 2026 sprang der Auftragseingang um 224 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 230 Millionen norwegische Kronen, wovon 96 Prozent auf PEM entfielen.

Der PEM-Auftragsbestand kletterte auf 990 Millionen Kronen, ein Plus von 147 Millionen gegenüber dem Vorquartal. Gleichzeitig fiel der Konzernumsatz im selben Zeitraum um 12 Prozent auf 153 Millionen Kronen, und das EBITDA rutschte durch eine Belastung von 70 Millionen Kronen aus der Einigung mit Iwatani auf minus 155 Millionen Kronen.

Die Kasse von 1.328 Millionen Kronen gibt Zeit, doch die Frage bleibt: Wird aus vollen Auftragsbüchern rechtzeitig profitables Wachstum, bevor eine neue Führungsspitze die Strategie möglicherweise nachjustiert?

Bullisches Szenario

Für Optimisten spricht die Dynamik im PEM-Geschäft, das im Quartalsvergleich um 31 Prozent zulegte. Mit dem EU-Zuschuss von 118 Millionen Kronen für die Kommerzialisierung der neuen druckbeaufschlagten alkalischen Elektrolyseur-Generation und dem geplanten Kapazitätsaufbau am Standort Herøya über 2026 und 2027 hinweg verfügt Nel über einen finanzierten Wachstumspfad.

Sollte der Aufsichtsrat zudem zeitnah einen erfahrenen Nachfolger präsentieren, der die von Volldal begonnene Portfolio-Erneuerung fortführt, könnte das Vertrauen in die Kontinuität der Strategie gestärkt werden. Auch die im Vorjahresvergleich um 13 Prozent reduzierte Belegschaft signalisiert Kostendisziplin, die in einer Erholungsphase Wirkung zeigen kann.

Bärisches Szenario

Dagegen steht ein reales Risiko: Führungswechsel in schwierigen operativen Phasen bergen Unsicherheit über Kapitalallokation und Prioritäten. Die Alkaline-Sparte verzeichnete einen Umsatzrückgang von 14 Prozent im Jahresvergleich, und ihr Auftragsbestand schrumpfte um 46 Millionen Kronen gegenüber dem Vorquartal – ein Hinweis darauf, dass nicht jedes Segment vom PEM-Boom profitiert.

Bleibt die CEO-Suche über die sechsmonatige Frist hinaus ergebnislos oder zieht sich die Nachfolgeregelung hin, könnte dies Investitionsentscheidungen verzögern. Zudem bleibt die Iwatani-Belastung eine Erinnerung daran, dass vertragliche Streitigkeiten das Ergebnis kurzfristig erheblich schmälern können, selbst wenn das operative Neugeschäft wächst.

Kursseitig notiert das Papier zuletzt bei 0,1916 Euro und damit 48 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch vom 25. Mai 2026 – ein Abstand, der zeigt, wie sehr die Marktstimmung dem operativen Fortschritt bislang hinterherhinkt.

Ausblick

Solange der PEM-Auftragseingang seine Dynamik hält und die Herøya-Kapazitätspläne planmäßig voranschreiten, bleibt das Aufwärtsszenario intakt – auch ohne feststehenden CEO. Kippt hingegen die Nachfolgefrage in eine längere Hängepartie oder verschlechtert sich die Alkaline-Sparte weiter, dürfte die Verunsicherung zunehmen.

Der nächste konkrete Prüfstein ist der für den 21. Oktober angesetzte Q3-Bericht: Er wird zeigen, ob sich der Auftragsschwung aus dem zweiten Quartal fortsetzt und ob bis dahin Klarheit über die Führungsspitze besteht. Bis dahin bleibt die Nachfolgefrage der unsichtbare, aber entscheidende Faktor für die Bewertung der Aktie.

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