Ein Rechtsstreit mit einem japanischen Partner hat die Bilanz von Nel ASA im zweiten Quartal 2026 kräftig verzerrt. Auf den ersten Blick wirkt die Zahl dramatisch: minus 155 Millionen NOK EBITDA. Wer genauer hinschaut, findet eine andere Geschichte.
Die Aktie des norwegischen Wasserstoff-Spezialisten schloss am Donnerstag bei 0,1960 Euro, ein Plus von 1,77 Prozent. Damit liegt der Kurs rund 13 Prozent über dem 52-Wochen-Tief vom Februar 2026. Ein kleiner Schritt nach oben – nach Monaten heftiger Schwankungen.
Vergleichszahlung verschleiert operative Fortschritte
Der Umsatz sank im zweiten Quartal um 12 Prozent auf 153 Millionen NOK. Das negative EBITDA von 155 Millionen NOK enthält jedoch eine Sonderbelastung von 70 Millionen NOK. Der Grund: eine Vergleichszahlung im Rahmen einer Einigung mit Iwatani Corporation of America.
Rechnet man diesen Einmaleffekt heraus, nähert sich das operative Ergebnis der Gewinnschwelle deutlich an. Investoren richten den Blick zunehmend auf diese Unterscheidung. Der Auftragseingang legte im Jahresvergleich um 224 Prozent auf 230 Millionen NOK zu. Die PEM-Sparte (Proton Exchange Membrane) steuerte 96 Prozent dieser neuen Aufträge bei.
Neue Technologie soll Kosten drücken
Ein zentraler Baustein der Strategie ist die „PA-Series“, eine neue Plattform für druckbeaufschlagte alkalische Elektrolyse. Nel brachte die Technologie im Mai 2026 auf den Markt. Sie soll die Kostenstruktur der grünen Wasserstoffproduktion grundlegend verändern.
Nach Unternehmensangaben senkt die neue Plattform die Investitionskosten um 40 bis 60 Prozent. Gleichzeitig schrumpft der Platzbedarf der Anlagen um bis zu 80 Prozent. Nel baut dafür aktuell die Fertigungskapazität am Standort Herøya in Norwegen aus. Bis 2027 soll die Gesamtkapazität eine Fertigungsleistung von 1 Gigawatt erreichen.
Das Management machte in jüngsten Gesprächen mit Investoren deutlich, worauf es ankommt: Großaufträge im dreistelligen Megawatt-Bereich für die PA-Series gelten als entscheidender Hebel für nachhaltige Profitabilität.
Führungswechsel während Auftragsflut
Zur finanziellen Gemengelage kommt ein Wechsel an der Unternehmensspitze. CEO Håkon Volldal kündigte im Juni 2026 seinen Rücktritt an. Ab Januar 2027 wechselt er zum Verpackungskonzern Elopak. Bis zur Bestellung eines Nachfolgers bleibt er im Amt.
Der künftige Chef übernimmt ein Unternehmen mit prall gefülltem Orderbuch. Der Auftragsbestand erreichte mit 1.213 Millionen NOK einen Rekordwert. Die entscheidende Aufgabe: aus diesem Rückstand endlich verlässliches Umsatzwachstum zu formen – und das ohne weitere Sonderbelastungen wie im vergangenen Quartal.
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