Neue Bestellungen allein reichen nicht
Für Nel ASA hängt eine nachhaltige Verbesserung jetzt daran, ob aus den stark gestiegenen PEM-Bestellungen wieder höhere Umsätze entstehen. Die gestern vorgelegten Zahlen für das dritte Quartal 2026 zeigen noch keine operative Wende: Der Nettoverlust stieg auf 141 Mio. NOK nach 85 Mio. NOK im Vorjahresquartal. Anleger müssen deshalb zwischen einer besseren Auftragslage und einer weiterhin schwachen Ergebnisentwicklung unterscheiden.
Diese Trennung ist entscheidend. Neue Bestellungen können die Grundlage für eine Erholung schaffen. Sie gleichen einen Umsatzrückgang aber erst dann aus, wenn Nel die Anlagen liefert und daraus Erlöse erzielt. Für die Aktie reicht deshalb der Blick auf das Wachstum im Auftragseingang nicht. Entscheidend wird dessen Umsetzung.
Mit einem heutigen Plus von 1,1% erhält das Papier etwas Unterstützung. Daraus lässt sich allerdings noch keine Bestätigung einer geschäftlichen Trendwende ableiten. Die Zahlen stellen Anleger vielmehr vor die Entscheidung, wie viel Vertrauen sie der künftigen Auftragsabwicklung bereits einräumen.
Die Umsetzung des Auftragsbestands entscheidet
Der Auftragsbestand erreichte zum Quartalsende 1.314 Mio. NOK und lag damit 34% über dem Vorjahresniveau. Das schafft eine größere Basis für künftige Erlöse. Offen bleibt jedoch, wie schnell diese Bestellungen umsatzwirksam werden und welchen Beitrag sie anschließend zum Ergebnis leisten.
Die zentrale Kennzahl für die weitere Beurteilung ist daher der Umsatz aus der Abarbeitung dieser Aufträge. Ein wachsender Bestand wäre vor allem dann positiv, wenn gleichzeitig die Auslieferungen zulegen. Steigen dagegen nur die noch offenen Bestellungen, während die Erlöse schwach bleiben, wäre die operative Verbesserung weiterhin nicht belegt.
Der gesamte Auftragseingang erreichte im dritten Quartal 253 Mio. NOK, ein Zuwachs von 339% gegenüber dem Vorjahr. Auf PEM entfielen dabei 97%. Damit konzentriert sich die Hoffnung auf eine Erholung deutlich auf diesen Geschäftsbereich. Die starke Bestelldynamik ist ein positives Signal, aber noch kein Nachweis für eine breitere Stabilisierung.
PEM könnte die Erholung tragen
Für ein günstiges Szenario spricht, dass sich die bessere PEM-Nachfrage bereits im Umsatz zeigt. Die Erlöse dieses Bereichs stiegen auf 89 Mio. NOK und damit um 65% gegenüber dem Vorjahresquartal. Hier stehen den neuen Bestellungen also bereits wachsende Geschäfte gegenüber.
Zusätzlichen Rückhalt geben konkrete Kundenaufträge. Collins Aerospace bestellte im September Anlagen für rund 20 Mio. USD. Am Dienstag folgte ein weiterer US-Kunde mit einer Bestellung über rund 12 Mio. USD; die Lieferung ist für 2027 geplant. Dieser Auftrag bietet damit einen konkreten Anknüpfungspunkt für spätere Erlöse, nicht für eine sofortige Entlastung.
Das positive Szenario setzt voraus, dass Nel die PEM-Aufträge planmäßig abarbeitet und die Umsatzentwicklung dieses Bereichs anhält. Dann könnte das Geschäft die Schwäche bei alkalischen Elektrolyseuren zunehmend abfedern.
Für Anleger wäre besonders überzeugend, wenn höhere Erlöse künftig auch mit geringeren Verlusten einhergingen. Erst diese Kombination würde zeigen, dass die stärkere Nachfrage über den Bestelleingang hinaus wirtschaftlich trägt.
Das alkalische Geschäft bleibt ein erhebliches Risiko
Die Gegenposition hat eine belastbare Grundlage: Der Umsatz mit alkalischen Elektrolyseuren sank auf 23 Mio. NOK, ein Rückgang um 91% gegenüber dem Vorjahresquartal. Das PEM-Wachstum konnte den Einbruch des anderen Bereichs bislang nicht auffangen.
Damit besteht das Risiko einer ungleichmäßigen Erholung. Selbst anhaltend gute PEM-Bestellungen müssten zunächst eine erhebliche Schwäche im alkalischen Geschäft ausgleichen. Zugleich zeigt der höhere Nettoverlust, dass die bessere Auftragslage bisher nicht mit einer verbesserten Ergebnisentwicklung zusammenfällt.
Die Herøya-Linie ruht seit Januar 2025. Eine neue Linie mit einer Jahreskapazität von 1 GW ist geplant. Diese Kapazität darf deshalb noch nicht als bereits verfügbarer Wachstumstreiber bewertet werden.
Zum Quartalsende verfügte Nel über rund 1,08 Mrd. NOK Liquidität. Diese Position gehört zur finanziellen Ausgangslage, ersetzt aber keinen Nachweis einer operativen Stabilisierung. Ohne Angaben zum künftigen Mittelverbrauch lässt sich daraus zudem keine belastbare Finanzierungsreichweite ableiten.
Geplante Lieferungen werden zum Prüfstein
Solange die PEM-Nachfrage anhält und Nel daraus wachsende Erlöse erzielt, bleibt eine schrittweise Erholung plausibel. Sinkende Verluste würden dieses Szenario zusätzlich stützen. Bleibt dagegen die Umsatzumsetzung hinter dem Bestelleingang zurück, verlöre der größere Auftragsbestand als Argument für eine Wende an Gewicht.
Der konkrete zeitliche Prüfstein ist die für 2027 geplante Lieferung an den neuen US-Kunden. Bis dahin zählt bei weiteren Geschäftszahlen vor allem, ob Nel die Lücke zwischen Bestellungen und Umsatz schließt. Die Anlegerentscheidung dreht sich damit nicht um die Stärke eines einzelnen Auftragssprungs, sondern um dessen wirtschaftliche Umsetzung.
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