Nel ASA baut sein europäisches Standbein aus – diesmal in Aberdeen. Der norwegische Wasserstoff-Spezialist hat mit dem schottischen Energiedienstleister Hydrasun einen Rahmenvertrag geschlossen. Hydrasun übernimmt künftig die Montage und Integration der modularen PEM-Elektrolyseur-Plattform MC Series für den europäischen Markt.
Die eigentliche Zellproduktion bleibt in den USA. Nel fertigt die Stacks weiterhin am Standort Wallingford in Connecticut. Hydrasun kümmert sich stattdessen um Beschaffung und Integration der umliegenden Anlagentechnik und liefert damit ein komplettes, containerisiertes Elektrolyseur-Paket.
Warum Aberdeen?
Für Hydrasun ist der Deal ein Meilenstein: Das Unternehmen investiert mit Unterstützung des schottischen „Just Transition Fund“ in den Ausbau seiner Anlagen in Aberdeen und errichtet dort die erste Elektrolyseur-Montage- und Integrationsstätte Schottlands.
Bis zu zwölf neue Arbeitsplätze sollen entstehen, elf weitere gesichert werden – überschaubare Größenordnungen, die zeigen, dass es sich vorerst um ein Pilotprojekt handelt und nicht um eine Großinvestition.
Für Nel liegt der Vorteil in der geografischen Nähe zu Kunden in Großbritannien und der Nordsee-Region. Die Norweger versprechen sich davon mehr Fertigungsflexibilität und robustere Lieferketten – ein Argument, das angesichts globaler Lieferkettenrisiken bei vielen Industrieunternehmen derzeit Gewicht hat.
Kursreaktion bleibt verhalten
Die Aktie reagierte auf die Nachricht zunächst positiv, bewegt sich aber weiterhin in der Nähe der 0,20-Euro-Marke. Von der Kursverdopplung im Frühjahr ist wenig übrig geblieben. Das eigentliche Problem liegt nicht in der Partnerschaft mit Hydrasun, sondern im Auftragsbuch: Im zweiten Quartal überstieg der EBITDA-Verlust die Erlöse aus Kundenkontrakten, der Auftragsbestand sank im Jahresvergleich um drei Prozent. Seit der Vorlage der Halbjahreszahlen meldete Nel keinen neuen Großauftrag.
Die Hydrasun-Kooperation ist strategisch sinnvoll, löst aber das strukturelle Problem nicht. Sie schafft Fertigungskapazität für eine Nachfrage, die aktuell fehlt. Ob sich das mit dem dritten Quartal ändert, bleibt für Nel-Aktionäre die zentrale Beobachtungsgröße – bislang deutet nichts auf eine Trendwende bei den Bestelleingängen hin.
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