Bei Nel ASA sprechen die jüngsten Geschäftszahlen und Projektmeldungen nicht für eine einheitliche Erholung. Das PEM-Geschäft wächst, während die schwächere Alkaline-Aktivität den Konzern belastet. Für Anleger zählt deshalb vor allem die Unterscheidung zwischen verbuchten Umsätzen, verbindlichen Bestellungen und unverbindlichen Kooperationsplänen. Nicht jede positive Meldung besitzt denselben wirtschaftlichen Stellenwert.
PEM-Wachstum gleicht die Schwäche nicht aus
Die am Donnerstag veröffentlichten Zahlen für das dritte Quartal 2026 zeigen diesen Gegensatz deutlich. Der Umsatz aus Kundenverträgen sank gegenüber dem Vorjahr um 63 Prozent auf NOK 112 Millionen. Nel führte die Entwicklung auf die geringere Aktivität im Alkaline-Bereich zurück.
Das PEM-Segment setzte einen Gegenakzent. Sein Umsatz stieg um 65 Prozent auf NOK 89 Millionen. Der Auftragseingang dieses Bereichs legte zugleich um 473 Prozent zu.
Damit liefert PEM ein Wachstumssignal innerhalb eines schrumpfenden Konzernumsatzes. Eine Erholung dieses Geschäftsbereichs ist jedoch nicht mit einer Erholung des gesamten Unternehmens gleichzusetzen. Der positive Segmenttrend konnte den Rückgang auf Konzernebene nicht ausgleichen.
Das EBITDA lag bei minus NOK 93 Millionen. Zum Quartalsende verfügte Nel über einen Kassenbestand von NOK 1.078 Millionen. Liquidität und operative Ergebnisentwicklung bleiben damit zwei getrennte Größen: Der Kassenbestand ändert nichts am ausgewiesenen Verlust auf EBITDA-Basis.
Bestellungen haben mehr Gewicht als Projektideen
Auch bei den Zukunftsperspektiven lohnt eine genaue Trennung. Der konzernweite Auftragseingang stieg um 339 Prozent auf NOK 253 Millionen. Der Auftragsbestand wuchs um 34 Prozent.
Diese Bestellungen stehen für konkreteres Geschäft als eine bloße Prüfung möglicher Zusammenarbeit. Sie sind allerdings ebenfalls nicht mit bereits erzielten Umsätzen gleichzusetzen.
Ein Beispiel ist der vor gut einer Woche gemeldete Auftrag für Nel Hydrogen US. Ein nicht genannter US-Technologiekunde bestellte mehrere containerisierte PEM-Elektrolyseeinheiten samt Dienstleistungen für rund USD 12 Millionen. Die Lieferung wird für 2027 erwartet.
Anders einzuordnen ist die ebenfalls vor gut einer Woche bekannt gegebene Absichtserklärung mit Rheinmetall. Sie ist ausdrücklich unverbindlich. Beide Unternehmen wollen eine Zusammenarbeit bei der modularen, dezentralen Herstellung synthetischer Kraftstoffe prüfen. Dazu gehören mögliche Standorte, Infrastruktur, Zugang zu erneuerbarem Strom und potenzielle Pilotprojekte.
Vorsichtigere Bewertung nach den Zahlen
Medienberichten zufolge senkte AlphaValue/Baader Europe am Freitag die Einstufung von „Buy“ auf „Add“. Das Kursziel fiel von NOK 3,82 auf NOK 2,38.
Die Abstufung ergänzt das gemischte Bild. Nel hat steigende Bestellungen und einen wachsenden Geschäftsbereich vorzuweisen. Dem stehen der deutliche Umsatzrückgang und das negative operative Ergebnis gegenüber. Für die Bewertung verdienen verbindliche Aufträge deshalb mehr Gewicht als unverbindliche Projektoptionen – und realisierte Umsätze mehr als beide.
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