Nel ASA-Aktie: Der Rheinmetall-Effekt vollends verpufft!

Die Aktie von Nel ASA ist nach Quartalszahlen ins Minus gerutscht. Eine Vereinbarung mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall hatte nur ganz kurz positive Wirkung gezeigt.

Auf einen Blick:
  • Wasserstoff-Spezialist Nel ASA hatte in der Vorwoche an der Börse ein Lebenszeichen gesendet
  • Mit Rheinmetall wollen die Norweger dezentrale Erzeugung erneuerbarer Kraftstoffe prüfen
  • Doch die Nel-Aktie ist nach den kurz darauf vorgelegten Quartalszahlen wieder abgetaucht

Liebe Leserin, lieber Leser,

in der vergangenen Woche sah es kurzzeitig wieder ein klein wenig besser aus für die Aktie von Nel ASA. Nach einer gemeldeten, möglichen Kooperation mit dem deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall verbesserten sich die Papiere des norwegischen Wasserstoff-Spezialisten von zuvor 0,19 auf 0,21 Euro. Doch was soll man sagen? Zwei Tage später veröffentlichte Nel seine Quartalszahlen – und diese sorgten für erneute Ernüchterung. Nun stehen wieder 19 Cent auf dem Kurszettel, der Rheinmetall-Effekt ist vollends verpufft.

Nel ASA wächst, das Defizit bleibt hoch

Dabei sahen die Zahlen angesichts zahlreicher Enttäuschungen in der Vergangenheit gar nicht schlecht aus, insbesondere im PEM-Segment: Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im dritten Quartal um 65 % auf 89 Mio. Norwegischen Kronen (NOK), während der Auftragseingang gar um 473 % auf 245 Mio. NOK schoss, wie Nel ASA mitteilte. „Auf Konzernebene belief sich der Auftragseingang auf 253 Mio. NOK – ein Anstieg um 339 % gegenüber dem Vorjahr –, während der Auftragsbestand um 34 % auf 1.314 Mio. NOK wuchs.“ Doch es gibt einen Haken.

Der Konzernumsatz aus Verträgen mit Kunden lag nach Nel-Angaben bei 112 Mio. NOK, was einem Rückgang von 63 % gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht „und auf eine geringere Aktivität im Alkaline-Segment zurückzuführen ist“, wie es hieß. Zudem ist Nel von Profitabilität noch weit entfernt:

  • Der Gesamtumsatz und die sonstigen Erträge beliefen sich auf 138 Mio. NOK; das EBITDA lag bei -93 Mio. NOK, der Nettoverlust bei -141 Mio. NOK
  • Zum Quartalsende verfügte das norwegische Unternehmen nach eigenen Angaben über einen Kassenbestand von noch 1.078 Mio. NOK

Nel-CEO spricht von Fortschritten

Im Management zeigte man sich zufrieden: „Das starke Wachstum bei Umsatz und Auftragseingang im PEM-Bereich – das sich auch im vierten Quartal fortsetzt – spiegelt eine verbesserte Projektabwicklung sowie ein wettbewerbsfähiges Produkt wider“, sagt Håkon Volldal, Präsident und CEO von Nel ASA. Das Quartal zeige, „dass wir bei den Faktoren, die wir beeinflussen können, Fortschritte erzielen – und dabei gleichzeitig finanzielle Disziplin wahren und in zukünftiges Wachstum investieren“. Dass der Netto-Verlust den Gesmatumsatz übertraf, thematisierte Volldal indes nicht.

Mehrere hochwertige Projekte mit namhaften Kunden entwickeln sich nach Nel-Angaben weiter und rücken näher an eine endgültige Investitionsentscheidung heran, ließ man stattdessen wissen. Nel sei zudem „bestens positioniert, um sich bietende Chancen zu nutzen und gemeinsam mit dem wachsenden Markt zu skalieren“, so die Mitteilung.

  • Bei den Anlegern allerdings kam das alles nicht gut an
  • Die Nel-Aktie knickte wieder auf ihr voriges Niveau ein

Nel schmiedet Pläne mit Rheinmetall

Dass könnte auch damit zusammenhängen, dass die Vereinbarung der Norweger mit der deutschen Rheinmetall keineswegs „eine Bombe“ ist, wie ernsthaft zu lesen war. Es ist eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MoU), nicht mehr und nicht weniger. Gemeinsam werde man „Möglichkeiten im Bereich der dezentralen Erzeugung erneuerbarer Kraftstoffe prüfen“, hatte Nel ASA am Dienstag der vergangenen Woche mitgeteilt. Prüfen! Es sei, so der Plan, „ein Beitrag zur Stärkung kritischer Infrastrukturen und der Energiesicherheit“.

Die vorgesehene Zusammenarbeit verknüpfe die Elektrolyseur-Technologie von Nel mit dem „Giga PtX“-Konzept sowie der Systemintegrations-Expertise von Rheinmetall, so die Mitteilung. Ziel sei es, skalierbare, modulare Lösungen für die lokale Produktion kohlenstoffarmer synthetischer Kraftstoffe zu evaluieren, die insbesondere im Verteidigungssektor und für kritische Infrastrukturen zum Einsatz kommen könnten.

Es geht nur um den norwegischen Markt

Im Rahmen seines „Giga PtX“-Projekts suche Rheinmetall gezielt nach strategischen Partnerschaften mit führenden Akteuren in den jeweiligen Zielmärkten, hieß es. „Aufbauend auf diesen Fortschritten erweitert Rheinmetall sein starkes Partnernetzwerk nun um Nel ASA für den norwegischen Markt.“ Dieser, und das zur Einordnung, ist eher begrenzt: In Norwegen leben gerade einmal 5,6 Millionen Menschen.

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