Nel ASA bereitet den kommerziellen Vorstoß seiner neuen Elektrolyseur-Plattform vor, während die jüngsten Quartalszahlen und ein gesenktes Kursziel von JPMorgan die Anleger auf dem Boden halten. Der norwegische Wasserstoff-Spezialist steckt mitten im Umbau: neue Technologie, ein neuer Großkunde und ein offener Chefposten prägen das Bild.
Neue Plattform als Hoffnungsträger
Nel ASA arbeitet an der kommerziellen Einführung seiner „Next Generation Pressurized Alkaline“-Elektrolyseur-Plattform, wie Medienberichten zufolge bekannt wurde. Serienlieferungen sollen ab 2027 starten. Das Unternehmen hatte die Plattform bereits im Mai offiziell vorgestellt und wirbt seither mit einer möglichen Reduktion der Gesamtsystem-Investitionskosten von 40 bis 60 Prozent gegenüber der bisherigen Technologie. Ergänzt wird die Produktoffensive durch eine Kooperation: Das norwegische Unternehmen GreenH AS kündigte laut Medienberichten eine strategische Zusammenarbeit mit Nel ASA für den Bau zwei neuer Wasserstoff-Produktionsanlagen an.
JPMorgan kappt Kursziel deutlich
Die Analysten von JPMorgan stuften Nel ASA am 4. August weiterhin mit „Hold“ ein, senkten das Zwölfmonatsziel jedoch spürbar von 2,90 auf 1,80 norwegische Kronen. Die Entscheidung fiel damit in eine Phase, in der das Unternehmen operativ noch mit den Nachwirkungen eines Rechtsstreits kämpft und die Chefsuche noch läuft – zwei Faktoren, die aus Sicht der Bank offenbar schwerer wiegen als die Aussicht auf die neue Elektrolyseur-Generation.
Umsatzrückgang, Auftragsschub und ein teurer Vergleich
Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 zeigten ein zweigeteiltes Bild. Die Umsätze aus Kundenverträgen sanken um 12 Prozent auf 153 Millionen norwegische Kronen, verglichen mit 174 Millionen im Vorjahresquartal. Das EBITDA rutschte auf minus 155 Millionen norwegische Kronen – belastet durch eine einmalige Rechtsvergleichszahlung von 70 Millionen norwegischen Kronen. Diese Zahlung resultierte aus einer im Juni erzielten Einigung mit Iwatani Corporation of America in einem zuvor laufenden Rechtsstreit.
Auf der Bestellseite lief es deutlich besser: Der Auftragseingang sprang im zweiten Quartal um 224 Prozent auf 230 Millionen norwegische Kronen. Der gesamte Auftragsbestand belief sich zum Quartalsende auf 1.213 Millionen norwegische Kronen. Zugleich schmolz die Kassenposition auf 1.328 Millionen norwegische Kronen, nach 1.928 Millionen ein Jahr zuvor – ein Rückgang, der angesichts der laufenden Investitionen in die neue Plattform im Blick bleiben dürfte.
Führungswechsel und ein Insiderkauf als Signal
Parallel zur operativen Umstellung sucht Nel ASA einen neuen Chef. Håkon Volldal kündigte im Juni seinen Rücktritt an, um andere Möglichkeiten zu verfolgen, bleibt aber während einer sechsmonatigen Kündigungsfrist im Amt, während der Verwaltungsrat einen Nachfolger sucht. Ein Lichtblick für die Anleger kam bereits im April: Verwaltungsratsvorsitzender Arvid Moss kaufte 100.000 Aktien zu einem Durchschnittspreis von 2,2547 norwegischen Kronen – seine erste direkte Beteiligung am Unternehmen.
Kursreaktion und Ausblick
An der Börse spiegelt sich die gemischte Nachrichtenlage in einem verhaltenen Kursbild wider. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Aktie bei 0,1994 Euro, ein Plus von 1,63 Prozent auf Tagesbasis. Gegenüber dem 200-Tage-Durchschnitt liegt das Papier weiterhin knapp 6,95 Prozent im Rückstand – ein Hinweis darauf, dass der übergeordnete Trend trotz der jüngsten Erholung angeschlagen bleibt. Die nächsten konkreten Antworten liefert der Zwischenbericht zum dritten Quartal 2026, den Nel ASA für den 21. Oktober angekündigt hat.
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