Nel ASA hat mehr Aufträge gewonnen, aber deutlich weniger Kundenerlöse erzielt. Für Anleger liegt darin der entscheidende Gegensatz: Die bessere Bestelllage stützt die Perspektive, belegt jedoch noch keine operative Erholung. Auch der angekündigte Führungswechsel ändert nichts daran, dass sich die stärkere Nachfrage erst im Geschäft niederschlagen muss.
Auftragserholung ist noch keine Umsatzwende
Die vor rund zwei Wochen veröffentlichten Zahlen für das dritte Quartal 2026 zeigen die Schwäche deutlich. Nach Unternehmensangaben sanken die Erlöse aus Kundenverträgen gegenüber dem Vorjahr um 63% auf NOK 112 Millionen.
Das Wachstum im PEM-Geschäft konnte die geringere Aktivität bei alkalischen Elektrolyseuren nicht ausgleichen. Damit reicht die positive Entwicklung eines Bereichs bislang nicht aus, um die Belastung des übrigen Geschäfts aufzufangen.
Ein anderes Bild zeichnet die Bestellseite: Der Auftragseingang stieg um 339% auf NOK 253 Millionen. Der Auftragsbestand erreichte NOK 1.314 Millionen.
Diese Entwicklung spricht für eine bessere Nachfragebasis. Aufträge und Umsatz sind allerdings unterschiedliche Größen: Der höhere Bestand ist noch kein Nachweis dafür, dass Nel bereits wieder stärker wächst oder profitabler arbeitet. Genau diese Trennung ist für die Bewertung der Geschäftslage wichtig.
Verluste bleiben die operative Belastung
Das EBITDA lag im dritten Quartal 2026 bei NOK -93 Millionen. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von NOK -141 Millionen.
Die Auftragsentwicklung allein beantwortet deshalb die Ertragsfrage nicht. Entscheidend ist, ob Nel aus der besseren Bestelllage auch ein Geschäft mit geringeren Verlusten entwickeln kann. Die Quartalszahlen liefern dafür noch keinen Beleg.
Zum Quartalsende verfügte Nel über liquide Mittel von NOK 1.078 Millionen. Dieser Bestand gehört neben den Verlusten zur finanziellen Einordnung.
Aus dem Kassenbestand allein lässt sich jedoch keine operative Trendwende ableiten. Für Anleger bleiben Liquidität und Ertragskraft getrennte Aspekte: Vorhandene Mittel ersetzen keinen Nachweis, dass sich das laufende Geschäft verbessert.
Führungsübergang begleitet die Bewährungsphase
Beim angekündigten Führungswechsel ist für heute der Beginn der Übergangslösung vorgesehen. Finanzchef Kjell Christian Bjørnsen soll interimistisch die Unternehmensführung übernehmen. Torbjørn Berg übernimmt übergangsweise die Finanzleitung.
Zum neuen Vorstandschef hat Nel Morten Holum bestellt. Er soll die Aufgabe spätestens am 1. Mai 2027 übernehmen und folgt auf Håkon Volldal.
Der personelle Übergang begleitet damit eine Phase widersprüchlicher Geschäftssignale. Mehr Bestellungen bieten eine Perspektive, während Erlösrückgang und Verluste die operative Belastung zeigen. Für die weitere Einordnung von Nel zählt deshalb weniger der Auftragszuwachs für sich genommen als dessen Umsetzung in Umsatz und eine verbesserte Ertragslage.
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