JPMorgan hat sein Kursziel für Nel ASA kräftig gesenkt: Die Analysten reduzierten die Vorgabe von 2,90 auf 1,80 norwegische Kronen und beließen das Rating auf „Neutral“. Die Kürzung markiert einen der deutlichsten Einschnitte der jüngeren Analystenhistorie für den norwegischen Elektrolyseur-Hersteller und trifft eine Aktie, die ohnehin unter Druck steht.
Der Kurs notiert aktuell bei 0,1926 Euro und gibt am heutigen Montag um 0,4 Prozent nach. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 0,3655 Euro klafft mittlerweile eine Lücke von 47 Prozent – ein Abstand, der die Skepsis der Analysten unterstreicht.
Schwache Zahlen als Hintergrund der Kürzung
Die Kappung des Kursziels fällt zeitlich mit der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal 2026 zusammen. Nel meldete einen Rückgang der Umsätze aus Kundenverträgen um 12 Prozent auf 153 Millionen norwegische Kronen. Der operative Verlust auf EBITDA-Basis weitete sich auf 155 Millionen Kronen aus. Belastend wirkte zudem eine Beilegung des Rechtsstreits mit Iwatani, die das Ergebnis mit 70 Millionen Kronen belastete.
Positiver fiel dagegen der Auftragseingang aus, der auf 230 Millionen Kronen kletterte. Der Auftragsbestand summierte sich auf 1,21 Milliarden Kronen, während das Unternehmen über eine Kassenposition von 1,33 Milliarden Kronen verfügte. Diese Liquiditätsreserve dürfte kurzfristig ausreichen, ändert aber nichts an der strukturellen Schwäche im operativen Geschäft.
Nel arbeitet parallel weiter an einer neuen Elektrolyseur-Generation, mit der Kosten gesenkt werden sollen. Die Investitionen in neue Produktionskapazitäten laufen fort, belasten aber kurzfristig die Ertragslage zusätzlich – ein klassisches Dilemma für ein Unternehmen in der Aufbauphase eines noch jungen Marktes.
Führungswechsel verstärkt die Unsicherheit
Zur angespannten Stimmung trägt auch der bevorstehende Wechsel an der Unternehmensspitze bei. Håkon Volldal, bislang President und CEO von Nel ASA, wechselt spätestens zum 1. Januar 2027 als neuer CEO zu Elopak ASA.
Die Ankündigung sorgte vor rund zwei Wochen für zusätzlichen Druck auf die Aktie, da englischsprachige Marktkommentare das Unternehmen seither als „unter Druck“ nach dem CEO-Abgang beschreiben, während es gleichzeitig mit dem tiefen EBITDA-Verlust im zweiten Quartal ringt.
Die Kursbewegung der vergangenen Handelstage zeigt die Nervosität: Nach einem schwächeren Handelstag in Oslo am vergangenen Montag folgte am Dienstag nur eine kurze Erholung. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 0,2011 Euro, der 200-Tage-Durchschnitt bei 0,2139 Euro – die aktuelle Notierung liegt unter beiden Marken, was die charttechnische Schwäche bestätigt.
Was die Kürzung für Anleger bedeutet
Mit der Rücknahme des Kursziels signalisiert JPMorgan, dass die fundamentalen Probleme – schrumpfender Umsatz, wachsende Verluste und der bevorstehende Führungswechsel – schwerer wiegen als der zuletzt gestiegene Auftragseingang.
Die Marktkapitalisierung von rund 357 Millionen Euro spiegelt bereits einen erheblichen Vertrauensverlust wider. Für Anleger bleibt entscheidend, ob die angekündigte neue Produktgeneration tatsächlich die Kostenstruktur verbessert, bevor die liquiden Mittel aufgezehrt sind.
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