Nel ASA hat im zweiten Quartal 2026 einen deutlich größeren Verlust ausgewiesen. Ein Einmaleffekt aus einem Vergleich mit dem japanischen Partner Iwatani belastet die Bilanz zusätzlich. Das norwegische Wasserstoff-Unternehmen hält dennoch an seinen Wachstumsplänen fest und drückt aufs Tempo bei einer neuen Elektrolyseur-Generation.
Vergleich mit Iwatani belastet das Quartal
Das EBITDA fiel auf minus 155 Millionen norwegische Kronen. Im ersten Quartal 2026 lag der Wert noch bei minus 100 Millionen Kronen, vor einem Jahr bei minus 86 Millionen Kronen. Der Iwatani-Vergleich schlägt allein mit 70 Millionen Kronen zu Buche.
Unterm Strich steht ein Nettoverlust von 189 Millionen Kronen, getrieben vom operativen Verlust von 205 Millionen Kronen. Rechnet man den Iwatani-Sondereffekt heraus, bleibt die operative Entwicklung nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr.
Die Erlöse aus Kundenverträgen sanken um 12 Prozent auf 153 Millionen Kronen. Die Gesamterlöse kletterten dagegen auf 182 Millionen Kronen, nach 152 Millionen Kronen im Vorquartal. Die Alkali-Elektrolyseur-Sparte verzeichnete einen Umsatzrückgang von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, das EBITDA blieb dort aber weitgehend stabil.
Kasse schrumpft, Auftragsbuch zieht an
Die Bilanz gibt Nel trotz des größeren Verlusts noch Spielraum. Der Kassenbestand lag zum Quartalsende bei 1.328 Millionen Kronen, ein Jahr zuvor waren es noch 1.928 Millionen Kronen. Das Auftragsbuch summierte sich auf 1.213 Millionen Kronen — ein Minus von 3 Prozent im Jahresvergleich, aber ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Das Management betont, die solide Kassenlage erlaube es, den laufenden Betrieb zu finanzieren und in neue Technik zu investieren. Sobald der Markt anzieht, will Nel zur Wachstumsstrategie zurückkehren.
Neue Plattform soll bis 2027 ein Gigawatt Kapazität liefern
Im Zentrum dieser Strategie steht die neue druckbeaufschlagte Alkali-Elektrolyseur-Plattform. Die Prototypen-Tests laufen vielversprechend, am 6. Mai brachte Nel das System gemeinsam mit wichtigen Partnern und Kunden auf den Markt.
Die Technik soll die Kosten gegenüber älteren Alkali-Systemen deutlich senken. Nel plant bis Ende 2026 eine Fertigungskapazität von 500 Megawatt, bis 2027 soll sie auf ein Gigawatt steigen. Die EU unterstützt die PA-Series-Linie mit 135 Millionen Euro.
Laut Management senkt die neue Plattform den Platzbedarf um 80 Prozent und die Investitionskosten um 40 bis 60 Prozent. Erste Bestellungen erwartet das Unternehmen in den kommenden Monaten. Damit die Sparte profitabel wird, braucht Nel nach eigenen Angaben Alkali-Volumina im dreistelligen Megawatt-Bereich pro Jahr sowie eine PEM-Kapazitätsauslastung von 20 bis 24 Prozent. Das zeigt, welche Distanz noch bleibt, bis sich die Investitionen auszahlen.
Analysten bleiben skeptisch
Schon vor der Veröffentlichung der Zahlen war die Stimmung unter Analysten einheitlich negativ. Von 13 untersuchten Häusern gab keines eine Kaufempfehlung ab: sieben stuften die Aktie als Verkauf ein, sechs als Halten.
Diese Skepsis passt zum Kursverlauf. Die Aktie hatte sich von ihrem Februar-Tief aus fast verdoppelt, bevor sie im Jahresverlauf mehr als die Hälfte dieses Gewinns wieder abgab. Am Mittwoch schloss Nel bei 0,20 Euro — 45,28 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 0,37 Euro vom 25. Mai und nur 15,54 Prozent über dem Jahrestief von 0,17 Euro vom 26. Februar.
Der Kurs liegt sowohl unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 0,26 Euro als auch unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 0,22 Euro. Auf Wochensicht verlor die Aktie 2,91 Prozent, auf Monatssicht 7,41 Prozent. Der RSI von 33,1 signalisiert eine Annäherung an überverkauftes Terrain, während eine annualisierte Volatilität von 61,79 Prozent die Nervosität im Handel unterstreicht.
Die kommenden Quartale müssen zeigen, ob das anziehende Auftragsbuch und die neue Elektrolyseur-Plattform tatsächlich das Volumenwachstum liefern, das Nel für schwarze Zahlen braucht. Bei schrumpfender Kasse und einem EU-geförderten Kapazitätsaufbau, der erst am Anfang steht, dürften vor allem die Auftragseingänge und die Auslastungszahlen in den nächsten Berichten im Mittelpunkt stehen.
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