Eine militärische Eskalation am Persischen Golf erschüttert die Energiemärkte. Eine Blockade der Straße von Hormus blockiert aktuell rund 20 Prozent der weltweiten LNG-Transporte. Europa droht ein massiver Preisschock bei fossilen Brennstoffen. Die Folge: Grüne Wasserstoff-Player wie Nel ASA rücken schlagartig wieder in den Fokus der Energiepolitik.
Angriffe auf katarische Anlagen ließen die dortige Exportkapazität abrupt um 17 Prozent einbrechen. Brüssel muss die europäische Versorgungsarchitektur nun radikal umbauen. Analysten rechnen daher mit einem beschleunigten Ausbau großer Elektrolyseur-Projekte.
An der Börse reagiert die Nel-Aktie heute mit einem leichten Plus auf 0,21 Euro. Ein Blick auf die vergangenen 30 Tage zeigt allerdings einen Absturz um über 41 Prozent. Mit einem RSI-Wert von knapp 33 nähert sich das Papier nun dem überverkauften Bereich.
Neue Strategie für den Massenmarkt
Mitten in diesen Marktturbulenzen baut sich Nel vom reinen Projektierer zum industriellen Serienfertiger um. Im Mai startete der kommerzielle Vertrieb einer neuen Druck-Alkali-Plattform. Diese nutzt eine modulare Architektur. Das senkt die Kosten für schlüsselfertige Anlagen massiv.
Für eine 25-Megawatt-Anlage kalkuliert das Management nun mit Kosten von unter 1.450 US-Dollar pro Kilowatt. Das ist deutlich günstiger als die bisher üblichen Maßanfertigungen der Branche.
Chefwechsel und juristischer Schlussstrich
Intern durchläuft der Konzern einen harten Umbruch. Mitte Juni kündigte CEO Håkon Volldal seinen Rücktritt an. Er bleibt noch sechs Monate im Amt. Der Verwaltungsrat sucht bereits einen Nachfolger.
Einen juristischen Bremsklotz konnte das Unternehmen kürzlich aus dem Weg räumen. Nel einigte sich mit der amerikanischen Iwatani Corporation auf einen Vergleich. Damit endet ein langer Rechtsstreit um Betankungsanlagen. Auch die kürzlich abgespaltene Tochter Cavendish Hydrogen ist Teil dieser Einigung.
Am 15. Juli präsentiert Nel ASA die Zahlen für das zweite Quartal. Dieser Termin wird zum Lackmustest für die neue Strategie. Das Management muss beweisen, dass sich die politische Debatte um Energiesicherheit in konkreten Aufträgen niederschlägt. Nur ein stabilisiertes Orderbuch kann den massiven Kursverlust der vergangenen Wochen stoppen.
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