Håkon Volldal, President und CEO von Nel ASA, wird spätestens zum 1. Januar 2027 an die Spitze des norwegischen Verpackungskonzerns Elopak wechseln. Das bestätigte Elopak. Für Nel ASA bedeutet das einen weiteren Führungswechsel in einer Phase, in der der Wasserstoffkonzern ohnehin mit sinkenden Umsätzen und wachsenden Verlusten kämpft.
Wechsel in schwieriger Phase
Der Abgang trifft Nel ASA zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen operativ unter Druck steht. Vor gut einem Monat hatte der Konzern Quartalszahlen vorgelegt, die weiterhin nachwirken: Der Umsatz aus Kundenverträgen war im zweiten Quartal 2026 um 12 Prozent auf 153 Millionen norwegische Kronen gesunken, der EBITDA-Verlust hatte sich auf 155 Millionen Kronen ausgeweitet, nach 86 Millionen Kronen im Vorjahreszeitraum.
Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 189 Millionen Kronen, darunter ein Sonderbelastung von 70 Millionen Kronen aus einer Vergleichsvereinbarung mit Iwatani Corporation of America, die einen Rechtsstreit um eine Wasserstoff-Tankstelle beendete.
Die liquiden Mittel schrumpften binnen eines Jahres von 1,93 Milliarden auf 1,33 Milliarden Kronen, während der Auftragseingang im Quartal immerhin auf 230 Millionen Kronen anstieg.
An der Kapitalmarktreaktion auf diese Nachrichten hat sich seither wenig geändert: Seit den Quartalszahlen bewegte sich die Aktie kaum, ebenso nach der vor gut drei Wochen erfolgten Kürzung des Kursziels durch JPMorgan.
Aktuell notiert das Papier bei 0,1944 Euro und damit rund 4,2 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt – ein Zeichen, dass sich der kurzfristige Trend seit Wochen eher seitwärts bis leicht abwärts bewegt, ohne dass ein einzelnes Ereignis für größere Ausschläge sorgt.
Kalender und Perspektive
Nel ASA hat inzwischen seinen Finanzkalender für den Rest des Jahres und 2027 veröffentlicht: Der Q3-Bericht 2026 ist für den 21. Oktober 2026 terminiert, der Jahresbericht für Q4 2026 folgt am 19. Februar 2027. Bis dahin muss der Aufsichtsrat auch die Nachfolge für Volldal klären – eine Aufgabe, die angesichts der angespannten Zahlenlage zusätzliches Gewicht erhält.
Unabhängig von den unternehmensspezifischen Problemen bleibt Nel ASA in Branchenanalysen präsent: Der Marktforscher BCC Research führte das Unternehmen jüngst in einer Strukturanalyse des Energie- und Nachhaltigkeitssektors als einen der wichtigen globalen Akteure im Bereich grüner Wasserstoff auf und verwies auf beschleunigte Investitionen durch Dekarbonisierungsvorgaben und Energiesicherheitsinteressen.
Auch im internationalen Projektgeschäft taucht Nel ASA weiter als Technologielieferant auf: Im Zusammenhang mit einer südkoreanischen Absichtserklärung für einen neuen 320-Megawatt-Grünwasserstoffkomplex wurde das Unternehmen als einer der zentralen Elektrolyseur-Anbieter genannt.
Diese strukturelle Nachfrage steht in einem gewissen Kontrast zur operativen Realität: Automatisierte Bewertungsdienste stuften die Aktie zuletzt skeptisch ein, was jedoch angesichts der jüngsten Kursverluste wenig überrascht.
Für Anleger bleibt die zentrale Frage, ob die neue Führung unter einem noch zu bestimmenden Nachfolger den Auftragseingang in tatsächliches Umsatzwachstum ummünzen kann, bevor die Barmittel weiter schrumpfen. Der Q3-Bericht im Oktober dürfte hierzu erste Antworten liefern.
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