Nel ASA steckt in einem Balanceakt zwischen Wachstumssignalen und roten Zahlen. Der norwegische Wasserstoff-Spezialist meldet für das zweite Quartal einen kräftigen Auftragssprung. Gleichzeitig weiten sich die Verluste aus, und an der Konzernspitze fehlt bald der Chef.
Die Nel-Aktie schloss am Freitag bei 0,1968 Euro, ein Minus von 2,09 Prozent. Damit liegt der Titel 46,16 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 0,3655 Euro. Der RSI von 36,5 deutet auf eine überverkaufte Aktie hin — einen stabilen Boden hat sie damit aber noch nicht gefunden.
Umsatz schrumpft, Aufträge explodieren
Der am 15. Juli veröffentlichte Halbjahresbericht bildet den Auslöser der jüngsten Kursbewegung. Nel meldete für das zweite Quartal Erlöse von 182 Millionen norwegischen Kronen. Das sind 15,3 Prozent weniger als die 215 Millionen Kronen im Vorjahresquartal.
Der Auftragseingang zeichnet ein anderes Bild. Er stieg auf 230 Millionen Kronen — ein Plus von 224 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Rund 96 Prozent der neuen Aufträge entfallen auf PEM-Elektrolyseure, also Anlagen mit Protonenaustauschmembran. Die Diskrepanz ist auffällig: Während das laufende Geschäft schrumpft, füllt sich die Pipeline für künftige Quartale spürbar.
Verlust wächst, Kläger-Vergleich belastet
Der Nettoverlust kletterte auf 189 Millionen Kronen, nach 131 Millionen Kronen im Vorjahresquartal. Ein Vergleich mit Iwatani Corporation of America schlägt darin mit 70 Millionen Kronen zu Buche. Ohne diesen Einmaleffekt blieb das EBITDA gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert.
Der Rechtsstreit mit dem japanischen Gaskonzern ist damit vorerst beigelegt. Die Kosten dafür drücken das Quartalsergebnis aber deutlich stärker nach unten, als es die operative Entwicklung allein nahelegen würde.
CEO-Wechsel mitten in der Umbauphase
Zur finanziellen Unsicherheit kommt eine personelle. Håkon Volldal, seit Juli 2022 an der Nel-Spitze, kündigte im Juni seinen Wechsel zum Verpackungskonzern Elopak an. Er bleibt während einer sechsmonatigen Kündigungsfrist im Amt, während der Aufsichtsrat einen Nachfolger sucht.
Diese Übergangsphase trifft Nel in einem heiklen Moment. Der Aktienkurs notiert 8,34 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 0,2147 Euro — ein Zeichen für den anhaltenden langfristigen Abwärtstrend. Die 30-Tage-Volatilität von knapp 42 Prozent zeigt zusätzlich, wie nervös der Markt den Titel aktuell handelt.
Parallel zum Tagesgeschäft treibt Nel sein Michigan-Projekt voran: eine geplante Fertigungsanlage mit 4 Gigawatt Kapazität, für die bereits rund 125 Millionen US-Dollar an staatlicher Förderung gesichert sind. Die nächste Bewährungsprobe folgt mit den Zahlen zum dritten Quartal, die für den 20. Oktober 2026 angesetzt sind. Bis dahin dürfte der Markt vor allem darauf achten, wie viele der neuen Aufträge sich tatsächlich in Umsatz verwandeln — und wer Nel künftig führt.
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