Nel ASA Aktie: Auftragsbestand um 24 Prozent geschrumpft

Nel ASA verzeichnet einen massiven Kursverlust von 26 Prozent in einer Woche. Analysten bleiben skeptisch und empfehlen den Kauf der Aktie nicht.

Auf einen Blick:
  • Wöchentlicher Kursverlust von 26 Prozent
  • Auftragsbestand schrumpft um 24 Prozent
  • Keine Analysten-Kaufempfehlung für Aktie
  • Halbjahreszahlen am 15. Juli erwartet

Eine Woche, 26 Prozent verloren. Der norwegische Elektrolyseur-Hersteller Nel ASA hat Anlegern eine schmerzhafte Lektion erteilt: Sektormomentem kann schnell drehen — und wenn kein Auftragsschub folgt, ist der Absturz entsprechend heftig.

Von fast verdoppelt auf freien Fall

Der Rückschlag trifft umso härter, weil der Anstieg davor so spektakulär war. Vom 52-Wochen-Tief bei 0,17 Euro im Februar kletterte die Aktie bis Ende Mai auf 0,37 Euro — ein Anstieg von mehr als 100 Prozent, getrieben vor allem von branchenweitem Rückenwind, weniger von unternehmenseigenen Nachrichten. Freitag schloss Nel bei 0,26 Euro, rund 29 Prozent unter dem Jahreshoch. Auf Jahressicht liegt die Aktie noch 23 Prozent im Plus — was zeigt, wie extrem die Ausschläge in beide Richtungen waren.

Die 30-Tage-Volatilität liegt annualisiert bei rund 105 Prozent. Das ist kein normales Papier für schwache Nerven.

Das Auftragsproblem lässt sich nicht wegdiskutieren

Nel hat im ersten Quartal technologisch geliefert: Eine neue Elektrolyseur-Plattform drückt die Kosten einer 25-Megawatt-Grüner-Wasserstoff-Anlage auf unter 1.450 Dollar pro Kilowatt — weniger als die Hälfte des Branchendurchschnitts. Das klingt beeindruckend. Der Auftragsbestand erzählt eine andere Geschichte.

Er schrumpfte im ersten Quartal um 24 Prozent auf 1,1 Milliarden Norwegische Kronen. Die Umsätze aus Kundenverträgen sanken auf 148 Millionen Kronen, nach 155 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der Nettoverlust verbesserte sich zwar auf 144 Millionen Kronen, und auch das EBITDA-Minus fiel mit minus 100 Millionen Kronen geringer aus als ein Jahr zuvor. Für den Markt zählt aber vor allem eines: Kein einziger Analyst empfiehlt die Aktie derzeit zum Kauf.

Analysten bleiben auf Abstand

Berenberg-Analyst James Carmichael hält an seinem „Neutral“-Rating fest und kürzte das Kursziel auf 2,30 Norwegische Kronen. Als Begründung nennt er anhaltende Auftragsschwäche und die noch unerprobte Marktreife der neuen Technologieplattform. RBC bewertet Nel mit „Sector Perform“ und einem Kursziel von 3 Norwegischen Kronen — ebenfalls kein Signal für kurzfristigen Aufwärtsdrang.

Liquidität als Puffer, Technologie als Versprechen

Was Nel vor akutem Druck schützt, ist die Bilanz. Ende März verfügte das Unternehmen über rund 1,44 Milliarden Kronen an liquiden Mitteln. Hinzu kommt ein EU-Förderzuschuss von 11 Millionen Euro, der im zweiten Quartal erwartet wird und an die Industrialisierung der Pressurised-Alkaline-Plattform geknüpft ist.

Auf der Technologieseite plant Nel 2026 den Bau eines Prototyp-Stacks für eine neue PEM-Plattform, die die Stack-Kosten um 70 Prozent senken soll. Die kommerzielle Markteinführung ist für 2028 oder 2029 vorgesehen. Einen ersten konkreten Kundenauftrag gibt es bereits: Das Douglas County Public Utility District im US-Bundesstaat Washington kauft ein Nel-System, das ab der ersten Jahreshälfte 2027 überschüssige Wasserkraft zur Netzstabilisierung nutzen soll.

15. Juli als nächste Bewährungsprobe

Am 15. Juli legt Nel die Halbjahreszahlen vor. Der Markt wird dann prüfen, ob die Technologieankündigungen der vergangenen Monate in verbindliche Aufträge umgemünzt wurden. Gelingt das nicht, dürfte der RSI von aktuell 40,5 noch weiteren Spielraum nach unten lassen.

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