Kräftiges Auftragsplus, tiefroter Verlust – bei Nel ASA driften Bestelleingang und Bilanz weiter auseinander. Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 zeigen, wie groß die Lücke zwischen Nachfragesignalen und tatsächlicher Geschäftsentwicklung beim norwegischen Wasserstoff-Spezialisten mittlerweile ist.
Auftragseingang schießt hoch, Basis bleibt niedrig
Der Auftragseingang kletterte im zweiten Quartal auf 230 Millionen norwegische Kronen, umgerechnet rund 20,8 Millionen Euro. Das ist ein Sprung von 224 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert.
Allerdings lag die Vergleichsbasis extrem niedrig: Im Vorjahresquartal hatte Nel nur 71 Millionen Kronen an Order eingesammelt. Zum Vorquartal ergibt sich immerhin ein Plus von 171 Prozent.
Rund 96 Prozent der neuen Bestellungen entfielen auf die PEM-Sparte, deren Auftragsbestand auf 990 Millionen Kronen wuchs. Der gesamte Auftragsbestand des Konzerns stieg zum Quartalsende auf 1,21 Milliarden Kronen, ein Plus von 9 Prozent zum Vorquartal, aber noch 3 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Umsatz verfehlt Erwartungen, Verlust wächst
Die Erlöse aus Kundenverträgen sanken um 12 Prozent auf 153 Millionen Kronen. Inklusive sonstiger Erträge kam der Konzern auf einen Gesamtumsatz von 182 Millionen Kronen.
Analysten hatten im Schnitt 195,5 Millionen Kronen erwartet, im Vorjahresquartal hatte Nel noch 215 Millionen Kronen umgesetzt. Unter dem Strich weitete sich der Nettoverlust auf 189 Millionen Kronen aus, nach einem Minus von 131 Millionen im Vorjahresquartal.
Das EBITDA fiel auf minus 155 Millionen Kronen, belastet auch durch eine Einmalzahlung von 70 Millionen Kronen aus einer Vergleichsvereinbarung mit dem japanischen Partner Iwatani. Die liquiden Mittel schmolzen binnen Jahresfrist von 1,93 Milliarden auf 1,33 Milliarden Kronen.
Chefwechsel ohne Nachfolger
Seit Mitte Juni ist bekannt, dass CEO Håkon Volldal das Unternehmen verlässt. Er kündigte am 15. Juni 2026 seinen Rücktritt an und wechselt spätestens ab Januar 2027 als Chef zum Verpackungsspezialisten Elopak.
Bis ein Nachfolger feststeht, bleibt Volldal im Amt – die Kündigungsfrist beträgt sechs Monate. Der Verwaltungsrat betonte, an Strategie und Prioritäten ändere sich durch den Wechsel nichts.
Vor der Zahlenvorlage war die Aktie an der Euronext in Oslo mit 2,18 norwegischen Kronen aus dem Handel gegangen, ein Minus von rund zwei Prozent. Vorbörsliche Indikationen deuteten auf weitere Kursverluste hin.
Der Verwaltungsrat sucht weiterhin nach einem Nachfolger für Volldal. Ob sich der Auftragsschub aus dem zweiten Quartal fortsetzt, hängt davon ab, wie schnell sich der gewachsene PEM-Auftragsbestand in tatsächliche Umsätze und eine bessere Kostenbasis übersetzt.
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