Ein Detail aus dem jüngsten Quartalsbericht rückt jetzt stärker in den Blick: Eine Vergleichszahlung von 70 Millionen norwegischen Kronen an den japanischen Partner Iwatani hat das operative Ergebnis von Nel ASA im zweiten Quartal 2026 zusätzlich belastet.
Medienberichten zufolge summierte sich das EBITDA dadurch auf minus 155 Millionen Kronen. Für Anleger stellt sich damit die Frage, wie tragfähig die Barmittelausstattung des Wasserstoff-Unternehmens angesichts fortgesetzter Verluste bleibt.
Cash-Polster schmilzt trotz Auftragsschub
Nel verfügte den Berichten zufolge zuletzt über knapp 1,3 Milliarden Kronen an liquiden Mitteln. Das klingt zunächst komfortabel, doch die Iwatani-Zahlung zeigt, wie schnell Einmaleffekte die Substanz angreifen können.
Der Umsatz aus Kundenverträgen fiel im zweiten Quartal auf 153 Millionen Kronen, während der Auftragseingang auf 230 Millionen Kronen kletterte und der Auftragsbestand auf 1,213 Milliarden Kronen anwuchs. Das Unternehmen führt den Anstieg der Bestellungen auf die im Mai gestartete druckbeaufschlagte Alkaline-Serie zurück.
Das Muster ist damit klar umrissen: Wachsende Bestellungen stehen sinkenden laufenden Umsätzen gegenüber, und Sonderbelastungen wie der Iwatani-Vergleich drücken zusätzlich auf die Marge. Ob die Kapazitätsausweitung auf 500 Megawatt bis Ende 2026 hier Abhilfe schafft, wird sich erst zeigen, wenn die neuen Produktionslinien tatsächlich Umsätze generieren.
Analysten bleiben skeptisch
Vor rund zwei Wochen hatte JPMorgan das Kursziel für Nel von 2,90 auf 1,80 norwegische Kronen gesenkt und die Einstufung Neutral beibehalten. Die Bank verwies dabei auf die Kombination aus schwächerem Umsatz und verschlechtertem EBITDA, während der wachsende Auftragsbestand die aktuelle Handelsdebatte um die Aktie prägt. Eine jüngere Einschätzung eines weiteren großen Analysehauses liegt nicht vor.
An der Börse hat sich die Aktie zuletzt stabilisiert: Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 0,2025 Euro, nach einem Zuwachs von 1,6 Prozent innerhalb von sieben Tagen. Damit notiert das Papier weiterhin deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch von 0,3655 Euro vom Mai, was die Skepsis der Analysten widerspiegelt.
Führungswechsel und nächster Prüfstein
Vor rund einem Monat wurde bekannt, dass CEO Håkon Volldal das Unternehmen verlässt und zu Elopak wechselt. Er bleibt bis Jahresende im Amt, was dem Unternehmen Zeit für eine geordnete Nachfolgeregelung verschafft – ein Vorteil angesichts der finanziellen Herausforderungen, vor denen Nel steht.
Der nächste harte Termin für Anleger ist der 21. Oktober 2026, wenn Nel die Zahlen zum dritten Quartal vorlegt. Dann wird sich zeigen, ob der Auftragsschub aus dem zweiten Quartal sich in höheren Umsätzen niederschlägt oder ob Einmalbelastungen wie im Fall Iwatani das Ergebnis weiter unter Druck setzen.
Bis dahin bleibt die Kernfrage bestehen: Reicht das Cash-Polster, um die Lücke zwischen Auftragseingang und tatsächlicher Umsatzrealisierung zu überbrücken, ohne dass frisches Kapital nötig wird?
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