Der norwegische Wasserstoff-Spezialist Nel ASA steckt mitten im Umbruch. Mitte Juni 2026 kündigte CEO Håkon Volldal seinen Rücktritt an – ein Einschnitt, der die ohnehin angeschlagene Aktie zusätzlich belastet hat. Parallel dazu meldete das Unternehmen am 15. Juli 2026 einen kräftigen Sprung beim Auftragseingang, der die Stimmung um den Titel zumindest operativ aufhellt.
Nel verzeichnete im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 153 Millionen norwegischen Kronen. Deutlich auffälliger ist der Auftragseingang: Er kletterte um 224 Prozent auf 230 Millionen Kronen. Damit setzt das Unternehmen einen Kontrapunkt zum ersten Quartal, in dem der Auftragseingang noch um 73 Prozent eingebrochen war und der Umsatz bei 148 Millionen Kronen lag – ein Rückgang von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, begleitet von einem negativen EBITDA von 100 Millionen Kronen.
Neue Elektrolyseur-Generation und EU-Förderung
Abseits der Quartalszahlen treibt Nel technologische Weiterentwicklungen voran. Das Unternehmen hat eine neue Generation von Alkalielektrolyseuren vorgestellt, deren Turnkey-Kosten unter 1.450 US-Dollar pro Kilowatt liegen sollen. Zusätzlich winkt ein Zuschuss aus dem EU-Innovationsfonds von bis zu 135 Millionen Euro. Beide Ankündigungen sollen die Kostenposition im Wettbewerb um Elektrolyseur-Großprojekte verbessern, in einem Markt, der zuletzt von schwacher Nachfrage und verzögerten Investitionsentscheidungen geprägt war.
Der Führungswechsel bleibt dennoch der zentrale Unsicherheitsfaktor. Volldals Abgang trifft Nel in einer Phase, in der Anleger ohnehin auf klare Signale zur Trendwende im operativen Geschäft warten. Wie stark der geplante CEO-Wechsel die strategische Ausrichtung verändert, ist aus den vorliegenden Angaben nicht ersichtlich.
Kurs unter Druck, Erholung vom Tief
An der Börse spiegelt sich die Gemengelage in einer Aktie wider, die weit von ihren Jahreshochs entfernt notiert. Zuletzt kostete das Papier 0,2000 Euro und legte im Tagesvergleich um 1,01 Prozent zu. Zum 52-Wochen-Hoch von 0,3655 Euro, erreicht Ende Mai 2026, klafft weiterhin eine Lücke von 45,28 Prozent. Seit Jahresbeginn steht die Aktie dennoch mit 5,93 Prozent im Plus – ein Hinweis darauf, dass der jüngste Abwärtstrend erst in den vergangenen Wochen an Fahrt aufgenommen hat.
Die Kombination aus Führungsvakuum und volatilem Auftragsverlauf sorgt dafür, dass Nel ASA für Anleger ein Wert mit hoher Schwankungsbreite bleibt. Der deutliche Anstieg des Auftragseingangs im zweiten Quartal liefert zumindest ein operatives Argument gegen die reine Verlustgeschichte der Vorquartale. Ob daraus ein nachhaltiger Trend wird, dürfte sich erst mit dem Amtsantritt eines neuen CEOs und den kommenden Quartalszahlen zeigen.
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