Nel-ASA-Aktien legen am Montag zu und setzen damit eine zaghafte Erholung fort. Zuvor war der Kurs des norwegischen Wasserstoff-Technologiekonzerns wochenlang in Richtung Jahrestief gerutscht. Aktuell steht die Aktie bei 0,1972 Euro, ein Plus von 2,60 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss.
Der Rebound folgt auf einen schmerzhaften Abschnitt. Die Aktie liegt weiterhin 46,05 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 0,3655 Euro, erreicht am 25. Mai 2026. Der 14-Tage-RSI von 34,9 signalisierte vor dem heutigen Anstieg eine überverkaufte Lage.
Schwache Umsätze, starke Bestellungen
Der Kursdruck der vergangenen Wochen hat einen konkreten Auslöser: den Quartalsbericht vom vergangenen Mittwoch. Die Vertragsumsätze mit Kunden fielen im zweiten Quartal 2026 auf 153 Millionen Norwegische Kronen, ein Rückgang von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Gesamtumsatz kletterte dagegen auf 182 Millionen Kronen, nach 152 Millionen im ersten Quartal.
Unter dem Strich blieb ein Nettoverlust von 189 Millionen Kronen, getrieben von einem operativen Verlust von 205 Millionen. Das EBITDA rutschte auf minus 155 Millionen Kronen ab, deutlich schlechter als die minus 100 Millionen im Vorquartal. Ein Sondereffekt von 70 Millionen Kronen im Zusammenhang mit der Iwatani-Einigung belastete das Ergebnis zusätzlich.
Der Auftragseingang zeichnet ein anderes Bild. Er stieg im Quartal auf 230 Millionen Kronen, ein Plus von 171 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 224 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragsbestand lag zum Quartalsende bei 1,213 Milliarden Kronen, die Barmittel beliefen sich auf 1,328 Milliarden Kronen.
Neue Elektrolyseur-Plattform als Hoffnungsträger
Das Management setzt auf die neue Elektrolyseur-Generation als zentralen Baustein für die Wende. Die druckbeaufschlagte alkalische PA-Series-Plattform kam am 6. Mai zusammen mit wichtigen Partnern und Kunden auf den Markt. Prototypen-Tests verlaufen laut Unternehmen weiterhin ermutigend.
CEO Håkon Volldal verwies in der Ergebnismitteilung auf zwei bedeutende Kaufaufträge und den Plattform-Start. Er sprach von „ermutigender kommerzieller Dynamik“ im Quartal.
Die PEM-Elektrolyseur-Sparte zeigte erste Stabilisierungszeichen. Die Umsätze stiegen dort um 31 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 97 Millionen Kronen, getragen vor allem von kleinen Wasserstoff-Elektrolyseuren im Kilowatt-Bereich. Die Alkaline-Sparte dagegen verzeichnete einen Umsatzrückgang von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, während das EBITDA in etwa auf Vorjahresniveau blieb.
Kapitalpuffer soll Zeit verschaffen
Nel betont, dass die Liquiditätsposition Spielraum verschafft, während die Nachfrage am Wasserstoffmarkt auf Erholung wartet. Die Kombination aus gesunder Kasse, Kostenanpassungen und angepasster Kapazitätsauslastung soll den laufenden Betrieb finanzieren und gleichzeitig Investitionen in neue Technologie ermöglichen.
Anleger wägen derzeit zwei gegensätzliche Signale gegeneinander ab: den verbesserten Auftragseingang samt neuem Produkt auf der einen Seite, den anhaltenden Umsatzrückgang und das negative EBITDA auf der anderen. Genau diese Spannung spiegelt sich im volatilen Kursverlauf der vergangenen Monate.
Der heutige Kursanstieg deutet darauf hin, dass einige Marktteilnehmer die jüngste Talfahrt Richtung Jahrestief für übertrieben halten. Die Aktie notiert allerdings weiterhin deutlich unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 0,2532 Euro, ein Abstand von 22,12 Prozent. Ob sich daraus eine nachhaltige Trendwende entwickelt, hängt maßgeblich davon ab, ob sich die Order-Dynamik aus dem zweiten Quartal in den kommenden Monaten fortsetzt.
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