Nel ASA zieht die Reißleine. Nach massiven Verlusten und einem Umsatzeinbruch setzt der norwegische Wasserstoff-Pionier auf strikte Kostendisziplin statt Wachstum um jeden Preis. Die Aktie notiert am Donnerstagvormittag vorbörslich bei 0,1942 Euro, ein Plus von 0,62 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss.
Sparprogramm nach Abspaltung
Nel ASA hat sein Geschäft radikal verschlankt. Nach der Abspaltung der Wasserstofftankstellen-Sparte Cavendish Hydrogen konzentriert sich der Konzern jetzt ausschließlich auf die Fertigung von Elektrolyseuren.
Der Schritt kam nicht aus freien Stücken. Im Geschäftsjahr 2025 brach der Umsatz aus Kundenverträgen um 31 Prozent auf 963,1 Millionen norwegische Kronen ein. Hohe Sonderabschreibungen auf Technologie und Produktionsanlagen drückten das Unternehmen tief in die roten Zahlen: Der Nettoverlust lag bei rund 1,27 Milliarden norwegische Kronen.
Mit dem Sparprogramm will Nel ASA vor allem eines erreichen: die Barmittel strecken. Ende 2025 verfügte der Konzern noch über eine Liquidität von 1,62 Milliarden norwegische Kronen. Das war die Ausgangslage, aus der die neue Strategie entstand.
Auftragsbestand hält, Umsatz schrumpft weiter
Die Zahlen für das zweite Quartal 2026 zeigen ein gemischtes Bild. Die Umsätze aus Kundenverträgen sanken auf 153 Millionen norwegische Kronen, ein Rückgang von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Verzögerte Großprojekte bleiben damit eine Belastung.
Der Auftragsbestand hingegen blieb mit 1,213 Milliarden norwegische Kronen stabil. Das dürfte das eigentlich beruhigende Signal für Investoren sein: Kunden ziehen sich nicht zurück, sie verschieben nur. Nel ASA konnte seine Barreserven bis Ende Juni auf 1,328 Milliarden norwegische Kronen erhöhen, was den unmittelbaren Finanzierungsdruck spürbar mindert.
Ein neu kommerzialisiertes Elektrolyseur-System mit Druckalkali-Technologie soll künftig helfen, Investitionskosten und Projektkomplexität für Kunden deutlich zu senken. Genau das könnte bislang aufgeschobene Firmeninvestitionen in den kommenden Quartalen wieder anschieben.
Charttechnik spiegelt die Vorsicht
Auch am Kursverlauf lässt sich die Zurückhaltung der Anleger ablesen. Die Aktie büßte in den vergangenen 30 Tagen 8,83 Prozent ein und liegt mit einem RSI von 36,5 nahe der überverkauften Zone. Verglichen mit dem 52-Wochen-Hoch vom 25. Mai bei 0,3655 Euro hat sich der Kurs damit fast halbiert.
Die zentrale Frage für Nel ASA bleibt, ob sich der stabile Auftragsbestand zeitnah in echte Umsätze verwandeln lässt. Erschwerend kommt eine offene Führungsfrage hinzu: CEO Håkon Volldal hat seinen Rücktritt erklärt, eine Nachfolge steht noch aus. Ob die neue Sparstrategie trägt, dürfte sich auch daran entscheiden, wie schnell der Konzern diese Lücke an der Spitze schließt.
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