Nebius hat in den vergangenen Wochen mehrere Kapitalmaßnahmen umgesetzt, doch neue Details zu Insidergeschäften und einer Anleihe-Umtauschaktion rücken nun in den Vordergrund. Am Freitag fiel die Aktie um 3,6 Prozent auf 180,72 Euro und liegt damit rund 4,8 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt.
Direktoren trennen sich von Aktienpaketen
Wie aus Pflichtmitteilungen hervorgeht, verkaufte Direktor Charles E. Ryan am 14. August 50.000 Class-A-Aktien zu einem gewichteten Durchschnittspreis von 265,53 US-Dollar im Rahmen eines Rule-10b5-1-Handelsplans. Damit reduzierte er seinen direkten Anteilsbesitz um 15,5 Prozent.
Am selben Tag veräußerte auch Direktor John Wilson Boynton IV in mehreren Transaktionen Class-A-Aktien zu Preisen zwischen 258,55 und 278,11 US-Dollar, ebenfalls unter einem automatisierten Handelsplan.
Solche planmäßigen Verkäufe sind bei Führungskräften nach starken Kursgewinnen nicht ungewöhnlich – die Aktie hatte in den zwölf Monaten zuvor um 191 Prozent zugelegt. Dennoch verstärken sie in einer Phase erhöhter Nervosität rund um die Kapitalstruktur des Unternehmens den Eindruck möglicher Verwässerung.
Anleihegläubiger tauschen in Aktien
Parallel zu den Insiderverkäufen hat Nebius mit einer begrenzten Gruppe von Anleihegläubigern privat ausgehandelte Tauschvereinbarungen geschlossen. Dabei werden 400 Millionen US-Dollar der mit 2,00 Prozent verzinsten Notes fällig 2029 sowie weitere 400 Millionen US-Dollar der mit 3,00 Prozent verzinsten Notes fällig 2031 gegen rund 15,8 Millionen Class-A-Stammaktien getauscht.
Das Unternehmen wandelt damit einen Teil seiner Fremdkapitallast in Eigenkapital um – eine Maßnahme, die die Bilanzstruktur entlastet, gleichzeitig aber die Aktienzahl erhöht.
Diese Transaktion reiht sich in eine Serie von Finanzierungsschritten ein, zu denen gestern der Abschluss der aufgestockten privaten Wandelanleihe-Platzierung über 5,75 Milliarden US-Dollar gehörte. Investoren wägen seither ab, ob die zusätzliche Liquidität für den Ausbau der Rechenzentrumskapazitäten den potenziellen Verwässerungseffekt aufwiegt.
Ausblick auf Kapazitätsziele
Das Management bekräftigte unterdessen seine langfristigen Ziele für die Rechenleistung: Jährlich sollen ein Gigawatt an zusätzlicher Kapazität hinzukommen, um bis 2030 insgesamt fünf Gigawatt zu erreichen. Bei einer geschätzten Kapitalintensität von etwa 30 Millionen US-Dollar pro Megawatt ist dies ein kostspieliges Vorhaben, das die frisch eingesammelten Mittel erklärt.
Auf der Hauptversammlung am 25. August wurden zudem sämtliche vorgeschlagenen Beschlüsse angenommen, was den Aktionären grünes Licht für die eingeschlagene Finanzierungsstrategie signalisiert.
Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob die massive Kapitalaufnahme – kombiniert mit Insiderverkäufen und Anleihe-Umtausch – tatsächlich in den angepeilten Kapazitätsausbau und damit in künftiges Umsatzwachstum mündet.
Die für Anfang 2027 erwartete Aufnahme der Kapazitätslieferungen im Rahmen des milliardenschweren Infrastrukturvertrags mit Meta Platforms dürfte dabei zum nächsten wichtigen Prüfstein werden.
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