Nebius hat sein Kapitalmarkt-Manöver zu Ende gebracht — und der Markt quittiert es mit Kursverlusten. Die Wandelanleihe, die vergangene Woche noch für Aufsehen sorgte, ist nun offiziell abgewickelt. Der Umfang übertrifft die ursprünglichen Pläne deutlich.
Emission wächst auf 5,75 Milliarden Dollar
Die Optionsrechte der Erstkäufer wurden vollständig ausgeübt. Damit wuchs die Anleihe auf ein Gesamtvolumen von 5,75 Milliarden Dollar, aufgeteilt in zwei Tranchen: 3,45 Milliarden Dollar mit 0,50 Prozent Zins bis 2030 und 2,3 Milliarden Dollar mit 4,50 Prozent Zins bis 2034. Ursprünglich war die Emission kleiner geplant — die Aufstockung zeigt, wie groß die Nachfrage institutioneller Käufer nach dem Papier war.
Parallel zur Preisfestsetzung hat Nebius mit ausgewählten Haltern bestehender Wandelanleihen (Laufzeiten 2029 und 2031) einen Tausch vereinbart: Anleihen im Volumen von insgesamt 800 Millionen Dollar wurden gegen etwa 15,8 Millionen neue Class-A-Aktien getauscht. Genau dieser Umtausch sorgt aktuell für Nervosität an der Börse.
Verwässerungsängste drücken den Kurs
Am Verrechnungstag der Transaktion fiel die Aktie im Tagesverlauf um gut sieben Prozent auf rund 203 Dollar. Der Grund liegt auf der Hand: Die Halter der getauschten Anleihen dürften ihre neuen Aktien zumindest teilweise am Markt verkaufen oder ihre Absicherungspositionen anpassen. Beides erzeugt zusätzlichen Angebotsdruck auf die Aktie.
Hinzu kommt ein Blick auf die Relation zwischen Anleihevolumen und Geschäftsgröße. Mit einem Zwölfmonatsumsatz von rund 1,36 Milliarden Dollar hat Nebius eine Anleihe platziert, die ein Vielfaches dieser Erlösbasis ausmacht — ein Umstand, der bei manchen Investoren für Stirnrunzeln sorgt.
Verschärfend wirkt, dass Insider in den vergangenen zwölf Monaten Aktien im Wert von etwa 171,5 Millionen Dollar verkauft haben, ohne dass Käufe aus dem Management dagegenstehen.
Der breitere Marktrahmen half nicht: Der Nasdaq Composite gab an diesem Tag nach, was hochbewertete Tech- und KI-Infrastrukturwerte zusätzlich belastete. Auch Konkurrenten aus dem Neocloud-Segment standen zuletzt wegen ihrer Finanzierungsstrukturen unter Beobachtung.
Operativ bleibt das Geschäft davon unberührt. Im zweiten Quartal 2026 wuchs der Umsatz um 454 Prozent — ein Tempo, das die Kapitalintensität des Rechenzentrumsausbaus erklärt, aber auch verdeutlicht, warum Nebius frisches Geld in dieser Größenordnung benötigt.
Das Unternehmen will die Mittel aus der Anleihe in den Bau neuer Rechenzentren, den Ausbau der KI-Cloud-Plattform und den Erwerb von GPU-Kapazitäten stecken. Ob die Verwässerungssorgen kurzfristig abklingen, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell die getauschten Aktien vom Markt absorbiert werden.
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