Nebius hat geliefert. Der Cloud-Anbieter für Künstliche Intelligenz meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 582,3 Millionen Dollar — ein Plus von 454 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für ein Unternehmen, das im Neocloud-Geschäft um Marktanteile kämpft, ist das eine Hausnummer, die selbst optimistische Erwartungen übertrifft.
Das bereinigte EBITDA drehte von einem Verlust von 21 Millionen Dollar im Vorjahresquartal auf einen Gewinn von 236,2 Millionen Dollar. Unter dem Strich wies Nebius zwar einen Nettoverlust aus fortgeführten Geschäftsbereichen von 190,4 Millionen Dollar aus — dieser Effekt ergibt sich jedoch vor allem aus fehlenden Bewertungsgewinnen auf Aktienbeteiligungen, die im Vorjahresquartal das Ergebnis noch kräftig aufgebläht hatten. Der bereinigte Nettoverlust schrumpfte im Jahresvergleich um 64 Prozent auf 33,2 Millionen Dollar.
Vorlauf mit Milliardenvertrag
Die Zahlen kamen nicht aus dem Nichts positiv überraschend — der Boden war bereits bereitet. Vorbörslich hatte die Aktie am Handelstag zeitweise über zehn Prozent zugelegt, nachdem ein mehrjähriger Cloud-Vertrag mit dem KI-Startup Reflection AI bekannt wurde, der bis 2029 läuft und Zugang zu aktuellen Nvidia-Chips umfasst. Der Deal reiht sich ein in ein wachsendes Portfolio von Großaufträgen, darunter Vereinbarungen mit Meta Platforms und Microsoft im zweistelligen Milliardenbereich.
Parallel dazu nahm Nebius einen neuen Rechencluster in Finnland in Betrieb und baut die eigene Kapazitätsbasis weiter aus. Das Unternehmen hat sein Kapazitätsziel für 2026 auf mehr als vier Gigawatt angehoben, den Investitionsplan auf bis zu 25 Milliarden Dollar erhöht — deutlich mehr als die zuvor kommunizierten 16 bis 20 Milliarden Dollar. Kernstück des Ausbaus ist eine neue KI-Fabrik in Pennsylvania mit bis zu 1,2 Gigawatt Leistung.
Wachstum mit Kehrseite
Der aggressive Expansionskurs zeigt sich auch in der Bilanz. Die Investitionsausgaben für Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte kletterten im Quartal auf 5,66 Milliarden Dollar, mehr als das Zehnfache des Vorjahreswerts. Finanziert wird dies über eine Mischung aus operativem Cashflow, der auf 2,25 Milliarden Dollar drehte, sowie umfangreiche Kapitalmaßnahmen — darunter der Verkauf eigener Aktien im Volumen von 2,85 Milliarden Dollar und die Ausgabe von Wandelanleihen.
Investor Michael Burry hatte zuletzt eine Short-Position gegen Nebius offengelegt und dabei auf die hohe Verschuldung sowie den enormen Kapitalbedarf verwiesen — ein Kontrapunkt zur Euphorie rund um die Vertragsabschlüsse. Die Gesamtverschuldung stieg zum Quartalsende auf 8,5 Milliarden Dollar, während die liquiden Mittel gleichzeitig auf über 8 Milliarden Dollar anwuchsen.
Die anstehende Telefonkonferenz zu den Zahlen dürfte weitere Details zur Umsetzung des erweiterten Vertragsportfolios liefern und zeigen, wie belastbar die Kapazitätspläne angesichts der massiv gestiegenen Investitionslast tatsächlich sind.
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