Nebius Aktie: Microsoft und Meta sichern Kapazitäten

Symbolbild, KI-generiert

Nebius steigert den Quartalsumsatz um 454 Prozent, verlangt höhere Mietpreise für KI-Hardware und finanziert den Ausbau mit Milliardenkrediten.

Auf einen Blick:
  • KI-Mieten steigen ab Oktober
  • H100 kostet künftig 4,50 Dollar
  • Umsatz wächst im zweiten Quartal
  • Wandelanleihe über 5,75 Milliarden Dollar

Wer bestimmt eigentlich den Takt im Zeitalter der künstlichen Intelligenz? Lange schien die Antwort simpel: Die Chiphersteller diktieren das Tempo, während Softwarekonzerne und Start-ups brav Schlange stehen. Doch in den Serverfarmen verschieben sich die Gewichte.

Die eigentliche Macht verlagert sich zu jenen Betreibern, die den knappen Siliziumschatz physisch kontrollieren und flexibel zur Miete anbieten. Der Infrastrukturanbieter Nebius demonstriert diesen Hebel gerade mit bemerkenswerter Schärfe.

Dass Rechenleistung begehrt ist, überrascht an den Märkten niemanden mehr. Wenn ein Cloud-Anbieter jedoch binnen drei Monaten gleich zweimal an der Preisschraube dreht und Kunden Aufschläge von bis zu 21 Prozent klaglos schlucken, offenbart das eine neue Phase der Marktreife.

Ab dem 1. Oktober verteuern sich die On-Demand-Mieten für ausgewählte Nvidia-Chips: Eine Stunde auf dem H100-Beschleuniger kostet künftig 4,50 Dollar, für den hochmodernen B300 werden 9,50 Dollar fällig. Auch reine CPU-Instanzen mit Prozessoren von AMD legen um 25 Prozent zu, während spezielle Speicherangebote um 41 Prozent anziehen.

Preissetzungsmacht statt Margenverfall

In der traditionellen Informationstechnologie sinken Preise mit zunehmender Skalierung. Bei spezialisierter KI-Infrastruktur setzt Nebius dieses Gesetz vorerst außer Kraft. Der Grund liegt in einem Nachfrageüberhang, der weit über kurzfristige Zyklen hinausreicht.

Die Sichtbarkeit der Bestellungen reicht über 24 Monate hinaus, einzelne Kundenreservierungen reichen bis in das zweite Quartal 2028. Ein Teil der begehrten Blackwell-Kapazitäten wird inzwischen über Auktionen vergeben, bei denen die Erlöse spürbar über den Mindestgeboten liegen.

Großkunden wie Microsoft und Meta sowie strategische Partner wie Palantir sichern sich Kapazitäten in Milliardenhöhe. Sie tun dies nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Mangel an Alternativen. Nebius, an dem Nvidia selbst einen Anteil von über neun Prozent hält, sitzt an einem Engpass, der sich mit herkömmlichen Cloud-Architekturen nicht über Nacht auflösen lässt.

Wie nachhaltig ist ein Boom, der sich über drastische Preisanpassungen finanziert? Anleger stellen diese Frage zu Recht, denn das rasante operative Wachstum geht mit gewaltigem Kapitaleinsatz einher.

Die Kehrseite des Infrastrukturrauschs

Das zweite Quartal untermauert das fundamentale Momentum mit einem Umsatzsprung um 454 Prozent auf 582,3 Millionen Dollar. Gleichzeitig zeigt die Bilanzseite, wie teuer dieser Vorsprung erkauft wird.

Nach besicherten Krediten über 775 Millionen Dollar im Juli folgte im August eine Wandelanleihe über rund 5,75 Milliarden Dollar. Der weltweite Wettlauf um KI-Infrastruktur verlagert sich zusehends von reiner Eigenkapitalfinanzierung hin zu massiver Fremdverschuldung.

Nebius teilt dieses Schicksal mit Rivalen wie CoreWeave, die ebenfalls Milliarden am Rentenmarkt aufnehmen müssen, um den Chip-Nachschub zu sichern. Solange die Kunden bereit sind, jeden Preisaufschlag zu zahlen, geht die Rechnung auf. Die Nachfrage finanziert die Zinsen, und die Cashflows decken den Hardwarehunger.

Am Markt honorieren Investoren das Selbstbewusstsein: Der Schlusskurs kletterte gestern auf 189,64 Euro, was einem Tagesgewinn von 3,8 Prozent entspricht. Seit Jahresbeginn verbucht das Papier ein Plus von 158 Prozent.

Nebius beweist, dass im aktuellen Zyklus nicht nur der Chipentwickler, sondern vor allem der clevere Verwalter der Rechnerkapazitäten die Regeln bestimmt. Ob diese Dominanz von Dauer ist, entscheidet sich jedoch erst, wenn das Angebot an Spitzenchips die schier endlose Nachfrage eines Tages tatsächlich einholt.

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