Nebius könnte sich zusätzliche Rechenzentrumskapazität in Oxagon sichern. HUMAIN und DataVolt vereinbarten gestern mit dem Unternehmen einen vorläufigen Rahmen für die Abnahme von bis zu 50 Megawatt. Die geplante Kapazität soll phasenweise ab dem vierten Quartal 2027 in Betrieb gehen. Für Anleger verbindet das Vorhaben weitere Wachstumsmöglichkeiten mit der Frage nach einer tragfähigen Finanzierung.
Vorläufiger Rahmen statt fester Kapazitätszusage
Nach Angaben von NEOM unterzeichneten die Beteiligten die Vereinbarung am Rande der NVIDIA-GTC-Konferenz in Berlin. Nebius soll dort NVIDIA-basierte Recheninfrastruktur einsetzen. Die mögliche Abnahme bleibt jedoch vorläufig: Aus dem vereinbarten Rahmen folgt noch keine verbindlich gesicherte Nutzung der gesamten vorgesehenen Kapazität.
Nebius könnte die Hälfte der ersten 100 Megawatt abnehmen, die derzeit gebaut werden. Dieser Bauabschnitt gehört zu einer geplanten Erstphase mit insgesamt 360 Megawatt. Die mögliche Beteiligung betrifft damit einen Teil des größeren Ausbauvorhabens.
Das Projekt passt zur Expansionsplanung von Nebius. Zugleich liegt die erwartete Inbetriebnahme deutlich hinter dem Zeitpunkt der Rahmenvereinbarung. Für die wirtschaftliche Bewertung sind deshalb die spätere Konkretisierung und die tatsächliche Bereitstellung der Kapazität entscheidend.
Vorauszahlungen stützen den Ausbau
Wie Nebius größere Kapazitäten finanzieren will, verdeutlichen seine bereits abgeschlossenen Kundenverträge. Im zweiten Quartal 2026 meldete das Unternehmen vier KI-Cloud-Verträge mit einem durchschnittlichen Gesamtvertragswert von jeweils über einer Milliarde US-Dollar.
Dabei übernehmen Kunden einen erheblichen Teil der Vorfinanzierung. Das ist für die Einordnung des Expansionskurses wichtig: Nebius muss nicht sämtliche zugehörigen Investitionskosten zunächst allein tragen. Solche Vorauszahlungen sind allerdings keine Aussage über die Konditionen des geplanten Oxagon-Vorhabens.
Rund 70 Prozent der in diesem Quartal abgeschlossenen Geschäfte enthielten Vorauszahlungen. Diese deckten 50–60 Prozent der zugehörigen Investitionskosten ab. Viele der vereinbarten Kapazitäten sollen Ende 2026 verfügbar werden.
Der größte Teil der daraus entstehenden Vertragserlöse soll erst im Folgejahr anfallen. Zwischen Vertragsabschluss, Aufbau der Infrastruktur und Umsatzbeitrag besteht somit ein zeitlicher Abstand. Die Finanzierung dieser Zwischenphase bleibt ein wesentlicher Bestandteil der Wachstumsgeschichte.
Piper Sandler bleibt bei neutraler Bewertung
Trotz der Ausbauperspektiven senkte Piper Sandler gestern das Kursziel für Nebius von 237 auf 185 US-Dollar. Die Einstufung bleibt „Neutral“. Analyst James Fish reduzierte die Bewertungsmultiplikatoren für KI-Cloud-Aktien.
Seiner Einschätzung nach könnte die Gruppe unter Druck bleiben, bis sich der freie Cashflow verbessert oder die Finanzierung klarer wird. Zugleich empfiehlt Piper Sandler weiterhin einen schrittweisen Positionsaufbau, bevorzugt jedoch CoreWeave.
Für Nebius markiert Oxagon damit eine zusätzliche Ausbauoption, noch keinen gesicherten Umsatzbeitrag. Entscheidend ist, ob das Unternehmen den vorläufigen Rahmen in konkrete Kapazitätsvereinbarungen überführt und den Ausbau finanziell absichert. Genau an dieser Verbindung von Wachstum und Finanzierung setzt die vorsichtige Analysteneinschätzung an.
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