Nebius Group hat am Freitag den Abschluss seiner ersten besicherten Kreditlinie bekanntgegeben. Das Volumen: rund 775 Millionen Dollar. Damit wechselt der KI-Infrastrukturanbieter zu einem Finanzierungsmodell, bei dem die eigenen Grafikprozessoren als Sicherheit dienen.
GPUs als Pfand — ein Modell aus der Luftfahrt
Die neue Kreditlinie funktioniert nach einem Verbriefungsprinzip, wie man es sonst aus der Luftfahrt- und Telekommunikationsbranche kennt. Sicherheiten sind die bereits installierten GPU-Cluster von Nebius und die damit verbundenen vertraglich fixierten Zahlungsströme. Das Unternehmen kann so gegen seine bestehende Hardware-Flotte frisches Kapital aufnehmen und künftige Ausbaustufen finanzieren.
Der Zinssatz liegt beim Referenzsatz SOFR plus 2,5 Prozentpunkte. Die Laufzeit endet am 31. Oktober 2030. Die Bank MUFG hat die Transaktion strukturiert und als alleiniger Bookrunner geführt, das Kreditgeber-Konsortium umfasste unter anderem ABN AMRO, Bank of America, Deutsche Bank und HSBC als mandatierte Lead-Arrangeure. Die Nachfrage überstieg das Angebot deutlich.
Weniger eigenes Kapital, mehr Partner
Der Kreditlinie ging am 15. Juli eine strategische Ankündigung voraus. Nebius stellt sein Geschäftsmodell auf „Asset-Light“ um. Partner sollen künftig die volle KI-Cloud-Plattform von Nebius in ihren eigenen Rechenzentren betreiben.
Diese Partner übernehmen Kauf und Betrieb der physischen Hardware und der Rechenzentren selbst. Nebius liefert dafür die Systemarchitektur, den Software-Stack und den Zugang zum eigenen globalen Vertrieb. Das Ziel: verfügbare Kapazität für Kunden ausweiten, ohne dass Nebius selbst massiv investieren muss. Für das laufende Geschäftsjahr plant der Konzern trotzdem Investitionen zwischen 20 und 25 Milliarden Dollar, um die Nachfrage von Unternehmenskunden und KI-nativen Firmen zu decken.
Kurs erholt sich nach turbulenter Woche
Die Nebius-Aktie schloss am Freitag bei 155,52 Euro, ein Plus von 3,62 Prozent. Vorausgegangen war ein schwieriger Wochenverlauf: Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Minus von 19,19 Prozent, auf 30-Tage-Sicht sogar ein Rückgang von 36,35 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 37,4 signalisiert eine Aktie, die sich der überverkauften Zone nähert.
Der Absturz kam nicht aus dem Nichts. Sorgen um die hohe Kapitalintensität von KI-Infrastruktur hatten die gesamte Technologiebranche zuletzt belastet. Auf Jahressicht bleibt die Nebius-Aktie mit einem Plus von 111,59 Prozent dennoch deutlich im grünen Bereich.
Der Blick auf die kommende Handelswoche
Im Zentrum des Interesses dürfte die Umsetzung der 40 Milliarden Dollar an bereits vertraglich gesicherten Umsätzen stehen, die Nebius im Zuge der Finanzierungsankündigung genannt hat. Zu diesem Auftragsbestand zählen auch Vereinbarungen mit Microsoft und Meta.
Der Markt wird zudem auf erste operative Details zum Asset-Light-Modell achten, ebenso auf Fortschritte bei der Auslieferung neuer GPU-Cluster. Die 775-Millionen-Dollar-Linie und die bestehenden Kundenverträge sollen nach Unternehmensangaben mehr als den gesamten Kapitalbedarf für die geplante Infrastruktur abdecken. Die Frage der Liquidität rückt damit in den Hintergrund — entscheidend wird jetzt, wie schnell Nebius seine Kapazitäten weltweit tatsächlich ausrollt.
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