Nebius Aktie: Burry-Wette gegen den Wachstumsmotor

Investor Michael Burry positioniert sich gegen Nebius. Vor den Quartalszahlen am 12. August wächst der Kursdruck auf den KI-Infrastrukturanbieter.

Auf einen Blick:
  • Short-Wette von Michael Burry
  • Aktie fiel 14 Prozent im Monat
  • Quartalszahlen am 12. August
  • Hohes Short-Interesse von 30 Prozent

Michael Burry setzt gegen Nebius. Der Investor, bekannt für seine Wette gegen den US-Immobilienmarkt vor 2008, hat eine Short-Position gegen den KI-Infrastrukturanbieter eröffnet. Sein Argument: Die Kapitalintensität des Geschäfts könnte zur Falle werden. Am 12. August 2026 legt Nebius Quartalszahlen vor — und die Frage lautet, wer am Ende recht hat.

Die Aktie steht bereits unter Druck. Am Freitag schloss sie bei 162,56 Euro, ein Minus von 14,18 Prozent innerhalb eines Monats. Vom Rekordhoch bei 261,00 Euro Ende Juni trennen das Papier inzwischen 37,72 Prozent.

Wachstum gegen Burrys Abschreibungs-These

Nebius befindet sich mitten im Ausbau seiner Infrastruktur. Im ersten Quartal wuchs der Umsatz um 684 Prozent auf 399 Millionen Dollar. Für das Gesamtjahr peilt das Management eine wiederkehrende Jahresumsatzrate von 7 bis 9 Milliarden Dollar an.

Burrys Warnung trifft einen Nerv. Er verweist auf die Investitionsguidance von 20 bis 25 Milliarden Dollar und auf Schulden von 8,4 Milliarden Dollar. Seine These: GPUs veralten schneller, als sich Leasingverpflichtungen refinanzieren lassen. Steigt der Abschreibungsdruck schneller als die Marge, gerät das Geschäftsmodell ins Wanken.

Der Markt hat die Zweifel bereits eingepreist. Die 30-Tage-Volatilität liegt bei extremen 154,12 Prozent annualisiert. Short-Interesse macht laut Berichten fast 30 Prozent des Streubesitzes aus — genug Zündstoff für heftige Kursausschläge in beide Richtungen.

Das bullische Szenario: Institutionen bleiben an Bord

Wer an Nebius festhält, verweist auf die schiere Wachstumsdynamik. Trotz des jüngsten Rückgangs steht die Aktie seit Jahresbeginn immer noch 121,17 Prozent im Plus.

Mehrere Faktoren sprechen für die Bullen:

  • Auftragsbestand: Die abgegrenzten Umsätze stiegen im ersten Quartal um 150 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 686 Millionen Dollar — ein Signal für stabile künftige Einnahmen.
  • Schwergewichte an Bord: Goldman Sachs hält laut SEC-Meldungen Ende Juni 2026 einen Anteil von 7,2 Prozent. Nvidia soll mit 9,3 Prozent beteiligt sein. Diese Präsenz widerspricht der Erzählung eines Kartenhauses.
  • Große Deals: Ein 27-Milliarden-Dollar-Rechenzentrumsvertrag mit Meta positioniert Nebius als zentralen Anbieter für die nächste KI-Infrastrukturwelle.

Nähert sich die Jahresumsatzrate im zweiten Quartal dem oberen Ende der Zielspanne, könnte das hohe Short-Interesse zum Bumerang werden. Ein Short Squeeze wäre in diesem Fall plausibel.

Das bärische Szenario: Charttechnik bestätigt Zweifel

Die Gegenseite hat ebenfalls Argumente — und die Charttechnik liefert bereits erste Belege. Die Aktie notiert 16,91 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 195,65 Euro. Das signalisiert einen intakten kurzfristigen Abwärtstrend.

Hinzu kommt Insider-Verhalten, das Fragezeichen aufwirft. Ein Direktor verkaufte zuletzt 5.812 Aktien, der Technikchef sogar mehr als 16.000 Anteile — beide auf höherem Kursniveau als heute. Solche Verkäufe lassen sich als fehlende Überzeugung zu aktuellen Bewertungen lesen.

Der eigentliche Test kommt aber erst mit den Zahlen. Steigen die Zinskosten auf die Schuldenlast schneller als die Marge, könnte die Aktie weiter fallen. Der Konsens erwartet für das Quartal einen Verlust je Aktie von 0,72 Dollar unter US-GAAP — ein Wert, der bei einer Verschlechterung sofort Nahrung für Burrys These liefern würde.

Der 12. August als Belastungstest

Die Vorlage der Quartalszahlen am 12. August wird zur Weichenstellung. Analysten erwarten einen Umsatz von rund 570 Millionen Dollar, ein Plus von 442 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ob das reicht, um die aktuelle Marktkapitalisierung von 48,10 Milliarden Euro zu rechtfertigen, wird sich an der Reaktion auf die ARR-Guidance zeigen.

Bestätigt das Management den Zielkorridor von 7 bis 9 Milliarden Dollar und bleibt das Umsatzwachstum dreistellig, dürfte der langfristige Aufwärtstrend wieder Fahrt aufnehmen. In diesem Fall könnte sich die Lücke zum 52-Wochen-Hoch spürbar schließen.

Äußert sich das Management dagegen besorgt über die GPU-Abschreibungszyklen oder weitet sich der GAAP-Verlust unerwartet aus, dürfte die Aktie tiefere Unterstützungszonen testen. Als kritische Marke gilt dabei der 200-Tage-Durchschnitt bei 124,42 Euro. Ein Rutsch in diese Nähe wäre ein starkes Indiz dafür, dass Burrys pessimistische Sicht im Markt breiter Zustimmung findet.

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