Nebius hat sich in den vergangenen Wochen ein finanzielles Sicherheitsnetz gespannt, das seine Größenordnung sprengt. 5,75 Milliarden Dollar an Wandelanleihen, ein Ausbau auf 5 Gigawatt kontrahierte Kapazität bis Jahresende, Kapitalausgaben von bis zu 25 Milliarden Dollar geplant – die Ambition ist gewaltig. Für mich ist genau diese Diskrepanz zwischen Kapitalkraft und Kursreaktion der eigentliche Punkt, über den Anleger jetzt nachdenken sollten.
Die Zahlen sprechen für sich – aber nicht eindeutig
Der Umsatz im zweiten Quartal lag bei 582,3 Millionen Dollar, getragen von rund 575 Millionen Dollar aus dem KI-Cloud-Geschäft. Vier neue Verträge mit jeweils über einer Milliarde Dollar Gesamtwert untermauern, dass Nebius im Zentrum der KI-Infrastrukturwelle operiert.
Ein bereinigtes EBITDA von 236 Millionen Dollar zeigt zudem, dass hier nicht nur Wachstum, sondern auch operative Substanz entsteht. Wer nur auf diese Kennziffern schaut, müsste eigentlich zuversichtlich sein.
Doch der Markt bewertet das Unternehmen offenbar vorsichtiger, als die operativen Zahlen es nahelegen würden. Seit der Wandelanleihe-Platzierung am vergangenen Sonntag hat die Aktie rund 4,2 Prozent verloren, seit der Genehmigung für den Ausbau der KI-Fabrik vor rund zwei Wochen sogar 19,4 Prozent. Das ist aus meiner Sicht kein Zufall, sondern Ausdruck einer wachsenden Sorge: Kapitalflexibilität ist gut, aber jede zusätzliche Milliarde an Fremdkapital erhöht auch den Erwartungsdruck, dass die versprochenen Kapazitäten tatsächlich pünktlich ans Netz gehen.
Die Analysten-Achterbahn als Warnsignal
Bezeichnend finde ich das Verhalten von DA Davidson. Analyst Gil Luria senkte am 10. August sein Kursziel von 250 auf 175 Dollar – begründet mit Bauverzögerungen am Rechenzentrumsprojekt in Vineland, New Jersey.
Nur eine Woche später, am 18. August, machte er die Kürzung wieder rückgängig und stellte das ursprüngliche Ziel von 250 Dollar wieder her. Eine solche Kehrtwende binnen einer Woche ist kein Ausdruck von Präzision, sondern zeigt, wie schwer sich selbst professionelle Beobachter mit der Bewertung von Nebius derzeit tun.
Wenn ein und derselbe Analyst innerhalb von acht Tagen zwischen zwei derart unterschiedlichen Einschätzungen wechselt, spricht das für erhebliche Unsicherheit über den tatsächlichen Baufortschritt – und damit über die Frage, ob die ambitionierten Kapazitätsziele haltbar sind.
Kapitalstruktur als zweischneidiges Schwert
Die Aktionäre haben auf der Hauptversammlung am 26. August das komplette Resolutionspaket genehmigt und damit dem Management zusätzliche Kapitalflexibilität eingeräumt. Das ist grundsätzlich ein Vertrauensbeweis.
Zugleich bedeutet die Kombination aus Wandelanleihen mit Laufzeiten bis 2030 und 2034, aus geplanten Milliardeninvestitionen und einer Verwässerungsoption durch die Wandlungsrechte, dass die Kapitalstruktur komplexer wird.
Die Tatsache, dass neue Verträge laut Unternehmensangaben in der Regel 50 bis 60 Prozent der Kapitalausgaben vorab durch Kundenzahlungen decken, relativiert das Risiko zwar – ausgeräumt ist es damit aber nicht.
Aktuell notiert die Aktie bei 173,06 Euro und damit rund 6,9 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 185,93 Euro. Das passt zum Bild eines Titels, der sich nach der jüngsten Rally erst einmal neu sortieren muss.
Mein Fazit
Unterm Strich sehe ich bei Nebius ein Unternehmen, das operativ liefert, aber finanziell und baulich in Vorleistung geht, die der Markt erst goutieren will, wenn die Bauverzögerungen ausgeräumt sind. Die Kapitalausstattung ist beeindruckend, doch sie ersetzt keine pünktliche Umsetzung der Rechenzentrumsprojekte.
Für mich überwiegt derzeit die Skepsis gegenüber der Euphorie – nicht weil die Wachstumsstory falsch wäre, sondern weil die Ausführungsrisiken zu groß sind, um sie zu ignorieren. Die kommenden Wochen, in denen Nebius auf mehreren Investorenkonferenzen auftritt, dürften zeigen, ob das Management die Zweifel ausräumen kann.
Nebius Group (ex Yandex)-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nebius Group (ex Yandex)-Analyse vom 03. September liefert die Antwort:
Die neusten Nebius Group (ex Yandex)-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nebius Group (ex Yandex)-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 03. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Nebius Group (ex Yandex): Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
