Ein ehemaliger OpenAI-Mitarbeiter mischt den KI-Infrastruktur-Markt auf. Der Hedgefonds Situational Awareness LP, geführt von Leopold Aschenbrenner, hat sich mit 5,6 Prozent zum größten Aktionär von Nebius aufgeschwungen – und damit BlackRock überholt. Die Nachricht ließ die Aktie am Donnerstag vorbörslich um bis zu 12 Prozent steigen. Es war nicht der einzige Grund für die Kauflaune.
841 Prozent Wachstum im Kerngeschäft
Nebius legte zeitgleich die Zahlen für das erste Quartal 2026 vor. Der Gesamtumsatz schnellte auf 399 Millionen US-Dollar – ein Plus von 684 Prozent zum Vorjahr. Das eigentliche Zugpferd ist die KI-Cloud-Infrastruktur: Hier wuchsen die Erlöse um 841 Prozent. Die EBITDA-Marge in diesem Segment liegt bei beachtlichen 45 Prozent.
Die annualisierte Umsatzrate (ARR) beziffert das Management derzeit auf rund 2 Milliarden US-Dollar. Für das Jahresende 2026 peilt Nebius 7 bis 9 Milliarden US-Dollar an. Eine Steigerung um das Drei- bis Vierfache binnen weniger Monate ist ambitioniert – doch die Bilanz der vergangenen Quartale spricht eine klare Sprache.
Neuer Großaktionär mit KI-Fokus
Die Beteiligung von Situational Awareness ist mehr als eine Fußnote. Der Fonds verwaltet 13,67 Milliarden US-Dollar und setzt gezielt auf KI-Infrastruktur. Mit einem Aktienpaket im Wert von rund 2,6 Milliarden US-Dollar ist Aschenbrenner, ehemals bei OpenAI, nun der gewichtigste Investor an Bord.
Hinzu kommen strategische Großprojekte. Im März sicherte sich Nebius einen Infrastruktur-Deal mit Meta über bis zu 27 Milliarden US-Dollar. Nvidia steuerte eine Investition von 2 Milliarden US-Dollar bei. Die Prognose für die bereitgestellte Stromkapazität der Rechenzentren wurde für 2026 auf über 4 Gigawatt (GW) angehoben. Im Mai folgte die Übernahme des GPU-Spezialisten Eigen AI für 643 Millionen US-Dollar.
Bewertung bleibt das Fragezeichen
Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten über 420 Prozent zugelegt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 72,6 – der Branchenschnitt bei 29,2. Die Analysten von D.A. Davidson bleiben bei „Neutral“ mit einem Kursziel von 250 US-Dollar.
Risikofaktoren sind die hohe Kapitalintensität des Geschäfts und der Wettbewerb durch Hyperscaler wie Amazon, Alphabet und spezialisierte Anbieter wie CoreWeave. Der Markt honoriert derzeit vor allem eines: Tempo. Und Nebius liefert es – sowohl bei den Umsätzen als auch bei den strategischen Deals. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob sich das Wachstumstempo halten lässt.
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