Nebius-Aktien haben am Freitag kräftig zugelegt und damit die Rally der sogenannten Neocloud-Anbieter fortgesetzt. Der Kurs stieg um 7,5 Prozent, gemeinsam mit den Papieren von CoreWeave und IREN. Ein konkreter Einzelauslöser für den Wochenschluss ist nicht dokumentiert, die Bewegung reiht sich aber in eine spürbare Verbesserung der Anlegerstimmung rund um die Nachfrage nach KI-Infrastruktur ein.
Starke Zahlen als Fundament
Die Kursdynamik der vergangenen Wochen speist sich aus einer Reihe operativer Fortschritte. Im August legte Nebius Zahlen zum zweiten Quartal vor, die den Markt überzeugten: Der Umsatz kletterte auf 582,3 Millionen Dollar, ein Plus von 454 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Das Segment Nebius AI Cloud wuchs sogar um 514 Prozent auf 575 Millionen Dollar. Das bereinigte EBITDA drehte von einem Verlust im Vorjahr auf einen Gewinn von 236,2 Millionen Dollar. Der Verlust je Aktie fiel mit 0,12 Dollar deutlich geringer aus als von Analysten erwartet.
Nebius bekräftigte zudem seine Jahresprognose: Der Umsatz soll 2026 zwischen 3,0 und 3,4 Milliarden Dollar liegen, das Jahresend-Laufzeitniveau wird mit 7,0 bis 9,0 Milliarden Dollar angepeilt. Die kontrahierte Stromkapazität soll bis Jahresende auf 5 Gigawatt steigen.
Unternehmensangaben zufolge stehen Kundenverpflichtungen im Volumen von 40 Milliarden Dollar zu Buche, während für 2026 mit Kundenvorauszahlungen von mehr als 9 Milliarden Dollar gerechnet wird – diese sollen 50 bis 60 Prozent der Investitionsausgaben aus jüngsten Vertragsabschlüssen decken.
Kapitalstruktur gestärkt, Preise ziehen an
Untermauert wird das Wachstum durch frisches Kapital: Vor gut einer Woche schloss Nebius die Platzierung einer Wandelanleihe ab und erlöste brutto 5,75 Milliarden Dollar – mehr als das ursprünglich anvisierte Volumen von 4,5 bis 5 Milliarden Dollar.
Seither hat die Aktie um 9,6 Prozent zugelegt. Parallel meldete das Unternehmen im zweiten Quartal seine erste Kapazitätsauktion, die zum bislang höchsten Preis für Chips der Blackwell-Generation abschloss, 15 Prozent über dem bisherigen Höchstpreis.
Auch bei neuen Verträgen zieht der Preis an: Der jährliche Vertragswert je Megawatt liegt inzwischen bei 20 bis 25 Millionen Dollar, verglichen mit rund 12 Millionen Dollar auf Basis von 2026. Erste kurzfristige Kapazitätsgeschäfte im dritten Quartal wurden bereits oberhalb von 40 Millionen Dollar je Megawatt gepreist.
Zusätzlich unterzeichneten Nebius und Vantage Data Centers Mitte August eine Partnerschaft zum gemeinsamen Aufbau eines Hyperscale-Rechenzentrumscampus – ein weiterer Baustein der Kapazitätsausweitung.
Auseinandergehende Analystenmeinungen
Die Bewertungsdebatte um Nebius bleibt kontrovers. Goldman Sachs hob das Kursziel Ende August auf 328 Dollar von zuvor 286 Dollar an und bestätigte die Kaufempfehlung. DA Davidson hingegen senkte sein Kursziel im gleichen Zeitraum auf 175 Dollar von 250 Dollar und verwies auf Bauverzögerungen am Rechenzentrumsstandort Vineland in New Jersey, die die Jahresprognose gefährden und den Wettbewerbsvorsprung schmälern könnten.
Mit einem Kurs von 194,76 Euro zum Freitagsschluss notiert die Aktie weiterhin ein Viertel unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Anleger müssen die widersprüchlichen Signale – robustes Umsatzwachstum und volle Auftragsbücher auf der einen, Ausführungsrisiken beim Kapazitätsausbau auf der anderen Seite – gegeneinander abwägen.
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