Nebius treibt sein Ausbautempo bei Rechenzentrumskapazitäten weiter voran. Das Unternehmen hat sein Ziel für die bis Jahresende 2026 vertraglich gesicherte Stromkapazität auf 5 Gigawatt angehoben – im Februar hatte die Zielmarke noch bei 3 Gigawatt gelegen, im Mai bei 4 Gigawatt. Die schrittweise Anhebung binnen weniger Monate zeigt, wie schnell die Nachfrage nach KI-Infrastruktur bei Nebius derzeit wächst.
Untermauert wird dieser Kurs durch die Geschäftszahlen des zweiten Quartals: Der Umsatz kletterte um 454 Prozent im Jahresvergleich auf 582 Millionen Dollar, das AI-Geschäft von Nebius wuchs sogar um 514 Prozent auf 575 Millionen Dollar und macht damit 98 Prozent der Konzernerlöse aus.
Im selben Quartal schloss Nebius vier Großverträge mit einem durchschnittlichen Volumen von jeweils über einer Milliarde Dollar ab, unter den Kunden finden sich Reflection und Cohere. Die jährlichen Vertragswerte je Megawatt liegen laut Unternehmensangaben zwischen 20 und 25 Millionen Dollar – ein Hinweis darauf, wie profitabel die neu geschaffenen Kapazitäten ausgelastet werden sollen.
Aktie bleibt im Aufwärtstrend
Am Freitag legte die Nebius-Aktie um 7,5 Prozent zu und schloss bei 194,76 Euro. Auf Wochensicht steht ein Plus von 7,8 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 165 Prozent verteuert. Damit notiert das Papier weiterhin deutlich über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 184,78 Euro, allerdings noch ein Viertel unter dem 52-Wochen-Hoch von 261,00 Euro. Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf gut 49 Milliarden Euro.
Der Rückschlag zum Hoch relativiert sich angesichts der Entwicklung der vergangenen zwölf Monate: Gegenüber dem Kurs vor rund einem Jahr hat sich die Aktie mehr als verdreifacht.
Die abgeschlossene Wandelanleihe-Platzierung über 5,75 Milliarden Dollar am vergangenen Montag hatte den Kurs bereits um 9,6 Prozent nach oben getrieben, die Zustimmung der Aktionäre zu sämtlichen Beschlüssen der Hauptversammlung vor rund zwei Wochen brachte weitere 6,1 Prozent. Beide Ereignisse haben das Vertrauen in die Finanzierungsstruktur und die Governance des Unternehmens gestärkt.
Personelle Weichen und Auftritte vor Investoren
Anfang August berief Nebius Lindsey Irvine zur Chief Marketing Officer. Die Personalie fügt sich in eine Phase ein, in der das Unternehmen seine Sichtbarkeit bei institutionellen Investoren erhöht: Am 8. September tritt Nebius auf der Communacopia + Technology Conference von Goldman Sachs auf, einen Tag später folgt ein Auftritt bei Citis Global TMT Conference.
Solche Termine dienen häufig dazu, Wachstumsstory und Kapitalbedarf gegenüber großen Fondsgesellschaften direkt zu erläutern – angesichts der jüngst platzierten Milliardenanleihen dürfte das Interesse der Teilnehmer entsprechend hoch sein.
Die Kombination aus angehobenen Kapazitätszielen, milliardenschweren Kundenverträgen und einer gestärkten Bilanz durch die Wandelanleihe zeichnet das Bild eines Unternehmens, das seine Wachstumsambitionen mit konkreten Zahlen unterlegt. Ob sich das Tempo der Vertragsabschlüsse in den kommenden Quartalen fortsetzt, dürfte sich auch auf den Konferenzen in der kommenden Woche zeigen.
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