Ein milliardenschwerer Cloud-Vertrag hat der Nebius-Aktie in dieser Woche kräftigen Schub gegeben. Der Anbieter von KI-Infrastruktur einigte sich mit dem Nvidia-unterstützten Start-up Reflection AI auf einen mehrjährigen Vertrag über GPU-Cloud-Dienste im Wert von einer Milliarde US-Dollar, der bis 2029 läuft. Parallel nahm Nebius in Finnland ein Rechenzentrum mit der neuen Vera-Rubin-Computertechnik in Betrieb. An der Nasdaq schoss die Aktie am Donnerstag um 27,1 Prozent nach oben, am Freitag legte sie im Handelsverlauf zunächst noch einmal deutlich zu.
Reflection-AI-Deal und neue Anlage befeuern die Rally
Der Auftrag von Reflection AI zählt zu den größten Einzelverträgen, die Nebius bislang öffentlich gemacht hat, und unterstreicht die Nachfrage nach GPU-Kapazitäten für Training und Betrieb großer KI-Modelle. Die Inbetriebnahme des Vera-Rubin-Racks in Finnland fällt zeitlich zusammen mit dem Ausbau der eigenen Rechenzentrumskapazitäten, die Nebius zuletzt spürbar erweitert hat.
Vier Gigawatt als Ziel bis Jahresende
Im ersten Quartal wuchs die vertraglich gesicherte Rechenleistung von rund zwei auf mehr als 3,5 Gigawatt, bis Jahresende peilt das Unternehmen mindestens vier Gigawatt an. Finanziert wird dieser Ausbau unter anderem über eine Kreditfazilität von 775 Millionen Dollar sowie über die Übernahmen von Tavily, Eigen AI und Clarifai, mit denen Nebius sein Softwareangebot rund um die eigene Cloud-Infrastruktur erweitert. Im ersten Quartal hatte das Unternehmen die Erwartungen bereits deutlich übertroffen: Der Verlust je Aktie lag bei 0,23 Dollar statt der von Analysten befürchteten 0,81 Dollar, der Umsatz schoss um 684 Prozent nach oben.
Abseits der reinen Wachstumszahlen positioniert sich Nebius auch als vergleichsweise effizienter Betreiber: Im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht für 2025 weist das Unternehmen einen Energieeffizienzwert (PUE) von 1,25 aus, gegenüber einem Branchendurchschnitt von 1,54. In Finnland laufen die Rechenzentren inzwischen vollständig mit erneuerbarer Energie, überschüssige Wärme aus der Anlage in Mäntsälä wird zudem ins lokale Fernwärmenetz eingespeist.
Analysten zwischen Euphorie und Skepsis
Die Einschätzungen an der Wall Street gehen weit auseinander. Citigroup hob ihr Kursziel zuletzt auf 287 Dollar an und bestätigte die Kaufempfehlung. Morgan Stanley bleibt dagegen deutlich zurückhaltender: Die Bank stuft die Aktie mit „Equal Weight“ ein und nennt ein Kursziel von lediglich 144 Dollar. Der Konsens mehrerer Häuser liegt bei „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 222,15 Dollar – einzelne Ziele reichen sogar bis 410 Dollar, was die Bandbreite der Erwartungen an das noch junge, aber extrem schnell wachsende Geschäft illustriert.
Institutionelle stocken auf, Manager verkaufen
Institutionelle Investoren halten nach jüngsten Meldungen rund 21,9 Prozent des Unternehmens. Mehrere große Fonds wie Janus Henderson und Rovida Investment Management bauten ihre Positionen im ersten Quartal spürbar aus, während einzelne kleinere Adressen wie Principal Financial Group ihre Bestände reduzierten. Auf der anderen Seite verkauften Führungskräfte in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von rund 140 Millionen Dollar, darunter CEO Arkadiy Volozh und CTO Danila Shtan. Solche Insiderverkäufe sind bei stark gestiegenen Wachstumswerten nicht unüblich, sie zeigen aber, dass Teile des Managements nach der Kursrally Gewinne mitnehmen.
Blick voraus: Zahlen am 12. August
Am 12. August legt Nebius die Ergebnisse für das zweite Quartal vor. Analysten erwarten einen Verlust von 0,61 Dollar pro Aktie, während der Umsatz um 449 Prozent auf 577,66 Millionen Dollar steigen soll. Im deutschen Handel notiert das Papier an diesem Freitag bei 166,20 Euro, ein Plus von 1,58 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 261,00 Euro bleibt die Aktie damit gut 36 Prozent entfernt, seit Jahresbeginn steht trotz der jüngsten Schwankungen ein Kursplus von 126,12 Prozent zu Buche. Die hohe Volatilität des Titels dürfte auch im Vorfeld der Quartalszahlen bestehen bleiben – zumal die gesamte Branche der KI-Infrastrukturanbieter derzeit zwischen Rekordnachfrage und wachsender Skepsis über die Finanzierbarkeit der milliardenschweren Investitionswelle schwankt.
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