Nebius Aktie: 27-Milliarden-Dollar-Vertrag mit Meta

Trotz Milliardenverträgen mit Meta und Nvidia wachsen Zweifel an Nebius' Zeitplan. Die Aktie fiel deutlich, der Quartalsbericht am 12. August gilt als Richtungsentscheidung.

Auf einen Blick:
  • Aktie 37,7% unter Jahreshoch
  • Meta-Deal über 27 Mrd. Dollar
  • Bauverzögerungen in New Jersey
  • Quartalszahlen am 12. August

Mein Urteil zu Nebius fällt derzeit skeptisch aus. Die Erzählung um den KI-Infrastrukturanbieter kippt gerade von Euphorie in eine nüchterne Frage: Kann das Unternehmen liefern, was der Markt seit Monaten einpreist? Bei 162,50 Euro steht die Aktie an einem Punkt, an dem konkrete Ergebnisse zählen — nicht mehr das Versprechen von morgen.

Das vergangene Jahr war für Nebius außergewöhnlich. Über zwölf Monate legte die Aktie um 168,60 Prozent zu, getragen von der strategischen Wende zum Hardware-Anbieter und von der Rückendeckung durch prominente Partner. Die Erholung der letzten Wochen zeigt allerdings Risse: Der Titel notiert 37,74 Prozent unter seinem Jahreshoch von 261 Euro, allein in den vergangenen sieben Tagen ging es um 16,96 Prozent nach unten. Für mich ist das ein klares Signal, dass die Phase des reinen Vertrauensvorschusses vorbei ist.

Verträge sind da, die Baustelle auch

Die bullische Seite der Geschichte bleibt beeindruckend. Ein Fünfjahresvertrag mit Meta über 27 Milliarden Dollar und eine Beteiligung von Nvidia in Höhe von 9,3 Prozent verschaffen Nebius eine Legitimation, die kaum ein Wettbewerber vorweisen kann. Im ersten Quartal wuchs der Umsatz um 684 Prozent auf 399 Millionen Dollar. Die Nachfrage nach den spezialisierten KI-Clustern ist also real, keine Frage.

Das Problem liegt woanders: im Beton. Berichte über Bauverzögerungen an der Vineland-Anlage in New Jersey nähren Zweifel, ob Nebius sein Kapazitätsziel von fast einem Gigawatt bis Ende 2026 überhaupt erreichen kann. Die Analysten von DA Davidson haben ihr Kursziel deshalb bereits gesenkt und verweisen explizit auf das Risiko, dass sich die Fertigstellung ins nächste Jahr verschiebt. Wer glaubt, ein Milliardenvertrag allein sichere den Zeitplan, unterschätzt die Realität von Betonmischern und Genehmigungsverfahren.

Kapitalbedarf und prominente Zweifler

Das Geschäftsmodell verlangt inzwischen enorme Summen. Für 2026 plant Nebius Investitionen zwischen 20 und 25 Milliarden Dollar — ein Betrag, der die laufenden Umsätze weit übersteigt. Die langfristigen Schulden haben sich bereits mehr als verdoppelt und liegen jetzt bei 8,4 Milliarden Dollar.

Hinzu kommt Gegenwind von prominenter Seite. Michael Burry hat eine Short-Position gegen die Aktie offengelegt, Wall Street Zen vergibt ein „Strong Sell“-Rating. Auch spezialisierte KI-Hedgefonds wie Leopold Aschenbrenners Situational-Awareness-Fonds, der stark in Nebius investiert war, meldeten zuletzt Verluste. Diese Signale summieren sich zu einem Bild wachsender Skepsis, ob die Bewertung der operativen Realität noch entspricht.

Der Termin, der alles verändern könnte

Am Mittwoch, dem 12. August, legt Nebius Quartalszahlen vor — für mich der entscheidende Test. Der Markt will keinen bloßen Umsatzrekord sehen. Er will Beweise, dass der prall gefüllte Auftragsbestand tatsächlich in verlässlichen, operativen Umsatz übersetzt wird, ohne dass die Kosten weiter aus dem Ruder laufen.

Die Aktie notiert aktuell 29,96 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt — trotz der jüngsten Schwäche also immer noch deutlich erhöht. Das lässt Raum für eine weitere Korrektur, falls der Bericht am Mittwoch keine Klarheit über den Bauzeitplan liefert. Die Wachstumszahlen sind unbestreitbar. Aber ein Konzern, der binnen eines Jahres auf über 41 Milliarden Euro Marktkapitalisierung geklettert ist, muss jetzt beweisen, dass er auch bauen kann, was er verkauft.

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