Fast 200 Prozent Kursgewinn seit Jahresanfang — und die Dynamik hält an. Die bevorstehende Aufnahme von Nebius in den Nasdaq-100 hat dem KI-Infrastrukturanbieter einen weiteren Schub gegeben. Die Aktie notiert bei 224,10 Euro und liegt damit rund acht Prozent unter ihrem Allzeithoch vom 2. Juni.
Pflichtkäufe als Kurstreiber
Die Nasdaq-100-Aufnahme, die noch im Juni 2026 wirksam wird, ist für Nebius mehr als ein symbolischer Meilenstein. ETFs und passive Fonds, die den Index abbilden, müssen die Aktie zwingend kaufen. Das erzeugt strukturelle Nachfrage — unabhängig von Stimmung oder Marktlage.
Die Kursreaktion fiel entsprechend aus. In den vergangenen 30 Tagen legte die Aktie rund 31 Prozent zu. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 164,84 Euro — die Aktie handelt gut 36 Prozent darüber.
Hyperwachstum mit konkreten Zahlen
Das Kursgeschehen hat fundamentale Rückendeckung. Im ersten Quartal 2026 erzielte Nebius einen Umsatz von 399 Millionen Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 684 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Den Löwenanteil — rund 390 Millionen Dollar — steuerte die KI-Cloud-Sparte bei.
Das Unternehmen baut sein Netz an Rechenzentren aggressiv aus. In Großbritannien investiert Nebius umgerechnet rund 2,26 Milliarden Dollar in drei neue Standorte in London. Bis 2027 sollen diese eine Kapazität von 65 Megawatt erreichen. In Pennsylvania plant das Unternehmen eine sogenannte KI-Fabrik mit einer Kapazität von 1,2 Gigawatt.
Partnerschaften und Insiderverkäufe
Auf der Kundenseite soll ein mehrjähriger Vertrag mit Meta über Cloud-Dienste im Wert von rund 27 Milliarden Dollar bestehen. Das wäre ein Anker, der das Wachstumstempo mittelfristig absichert.
Parallel dazu hat ein Insider Kasse gemacht. Director John Wilson IV Boynton verkaufte am Montag 5.812 Aktien der Klasse A zu Preisen zwischen rund 246 und 262 Dollar — ein Erlös von etwa 1,47 Millionen Dollar. Sein Direktbestand liegt danach noch bei über 428.000 Aktien. Der Verkauf ist damit eher eine Teilgewinnmitnahme als ein Signal des Vertrauensverlusts.
Die Bank of America hob ihr Kursziel zuletzt auf 280 Dollar an. Als Begründung nannte das Institut die steigende Nachfrage nach spezialisierten KI-Softwarestacks und Infrastruktur. Der Analystenkonsens lautet „Moderate Buy“.
Die Volatilität liegt bei annualisierten 111 Prozent — wer in Nebius investiert ist, sollte mit starken Ausschlägen in beide Richtungen rechnen. Der nächste harte Katalysator ist die tatsächliche Indexaufnahme Ende Juni: Dann wird sich zeigen, wie viel der Pflichtkauffantasie bereits eingepreist ist.
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