Navitas Semiconductor: Q3-Guidance 13,5 Millionen Dollar

Navitas Semiconductor verzeichnet im zweiten Quartal 2026 einen Nettoverlust von 228 Millionen Dollar, prognostiziert aber für Q3 wieder Wachstum. Die Partnerschaft mit Magnachip könnte die Trendwende einleiten.

Auf einen Blick:
  • Nettoverlust von 228 Millionen Dollar
  • Umsatzprognose Q3: 13,5 Millionen Dollar
  • Magnachip-Deal für Siliziumkarbid-Technologie
  • Analysten sehen Kurspotenzial von 28 Prozent

Ein Quartalsverlust von 228 Millionen Dollar, ein Kurs, der binnen 30 Tagen ein Drittel seines Werts verliert – und trotzdem deutet sich bei Navitas Semiconductor eine Bodenbildung an. Das klingt paradox. Mein Blick auf die Zahlen zeigt aber: Die Kombination aus Magnachip-Partnerschaft und positiver Guidance könnte genau das rechtfertigen.

Am Freitag schloss die Aktie bei 9,60 Euro, ein Plus von 0,52 Prozent. Wirklich beruhigend ist das nicht. Der Titel notiert damit rund 67 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 29,20 Euro und liegt gut 41 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 16,40 Euro. Wer die jüngste Talfahrt verpasst hat: Sie war brutal, aber sie hat auch eine Bewertung geschaffen, die genauer hinschauen lässt.

Verluste explodieren, Ausblick hellt sich auf

Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 sind auf den ersten Blick alarmierend. Der Umsatz fiel auf 10,53 Millionen Dollar, verglichen mit 14,49 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Der Nettoverlust weitete sich massiv aus: von 49,08 Millionen auf 228,22 Millionen Dollar.

Diese Zahl allein würde für Panik reichen. Das Management liefert aber einen Kontrapunkt: Für das dritte Quartal 2026 rechnet Navitas mit Nettoumsätzen von etwa 13,5 Millionen Dollar. Das wäre eine klare Rückkehr zum sequenziellen Wachstum – nach dem Einbruch im Vorquartal ein wichtiges Signal.

Analysten gehen sogar weiter. Sie trauen dem Unternehmen bis 2029 ein jährliches Umsatzwachstum von 40 Prozent zu. Der hohe Cash-Verbrauch bleibt dabei der wunde Punkt, den auch die optimistischste Prognose nicht wegdiskutiert.

Magnachip als strategischer Hebel

Der eigentliche Auslöser für die Neubewertung der Aktie dürfte die Partnerschaft mit Magnachip sein. Navitas lizenziert seine GeneSiC-Technologie – konkret die GeneSiC-TAP-Technologie – an den südkoreanischen Chiphersteller. Magnachip erhält damit Zugang zur Lieferkette für Siliziumkarbid und kann in seinen eigenen Fabriken in Südkorea produzieren.

Für Navitas ist das mehr als ein Lizenzdeal. Das Unternehmen verschafft sich damit einen Zugang zu Hochspannungs- und Ultrahochspannungsmärkten, darunter Energieinfrastruktur und Automobilanwendungen. Der entscheidende Punkt: Navitas nutzt die Fertigungskapazitäten des Partners und muss selbst kein Kapital für teure Fabrikerweiterungen aufbringen. Das ist ein cleverer Schachzug für ein Unternehmen, das gerade einen Rekordverlust verdaut.

Charttechnik signalisiert Überverkauft-Zone

Der 14-Tage-RSI von 37,0 nähert sich der überverkauften Zone. Das ist bei einer annualisierten Volatilität von fast 106 Prozent kein Grund zur Entwarnung, aber ein Hinweis darauf, dass der Abwärtsdruck zumindest kurzfristig nachlassen könnte. Bei dieser Schwankungsbreite kann eine positive Überraschung im dritten Quartal genauso schnell nach oben ausschlagen, wie der Kurs zuvor gefallen ist.

Bemerkenswert: Trotz des Absturzes liegt die Aktie noch rund 56 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 6,15 Euro. Der langfristige Trend bleibt eindeutig bärisch. Aber die Käufer haben bislang verhindert, dass der Kurs erneut in Richtung Februar-Tief abrutscht.

Mein Fazit: Chance mit Risikoaufschlag

Der Konsens der Analysten sieht ein Kursziel von 12,27 Euro – das wäre ein Aufschlag von knapp 28 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss. Diese Zahl ist kein Zufallsprodukt, sondern spiegelt genau die Wette wider, um die es hier geht: Kann Navitas die 13,5-Millionen-Dollar-Prognose für das dritte Quartal einlösen und die Magnachip-Partnerschaft operativ zum Laufen bringen?

Für mich überwiegen die Chancen knapp die Risiken – aber nur knapp. Der massive Quartalsverlust ist real und der Cash-Verbrauch bleibt ein Risiko, das sich nicht wegreden lässt. Wer aber an die Wachstumsstory im Hochspannungs-Halbleitermarkt glaubt, findet in der aktuellen Bewertung einen Einstiegspunkt, der vor sechs Wochen noch undenkbar war. Ob sich das auszahlt, entscheidet sich spätestens mit den Zahlen zum dritten Quartal.

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