Navitas Semiconductor hat mit seiner Prognose für das dritte Quartal die Erwartungen deutlich übertroffen und damit den strategischen Umbau des Unternehmens untermauert.
Der Leistungshalbleiter-Hersteller rechnet für das laufende Quartal mit Erlösen von 13,5 Millionen US-Dollar, plus/minus 500.000 US-Dollar – ein Sprung von 28 Prozent gegenüber dem Vorquartal und deutlich über der von Analysten erwarteten Marke von rund 11,1 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen kommunizierte die Prognose am 7. August und ordnete sie in einen breiteren Strategiewechsel ein, den es intern „Navitas 2.0“ nennt.
Abkehr vom Mobilfunkgeschäft
Navitas verlagert sein Geschäft von margenschwachen Mobilanwendungen hin zu Hochleistungs-Halbleitern auf Basis von Galliumnitrid (GaN) und Siliziumkarbid (SiC), die in KI-Rechenzentren und in der Netz- und Energieinfrastruktur zum Einsatz kommen.
Laut Unternehmensangaben soll der Anteil der KI-Infrastruktur am Gesamtumsatz bis Jahresende ein Drittel übersteigen, gestützt durch ein Rekord-Book-to-Bill-Verhältnis und einen wachsenden Auftragsbestand.
Im zweiten Quartal 2026 seien die Erlöse im Hochleistungssegment im Jahresvergleich um mehr als 50 Prozent gewachsen, während der Gesamtumsatz sequenziell um 22 Prozent auf 10,5 Millionen US-Dollar zulegte.
Der Blick auf die Bilanz zeigt allerdings, dass der Umbau seinen Preis hat. Die im Vorquartal veröffentlichten Zahlen für das zweite Quartal wiesen einen Umsatz von 10,53 Millionen US-Dollar aus – ein Rückgang gegenüber 14,49 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum.
Der Nettoverlust weitete sich auf 228,22 Millionen US-Dollar aus, während der bereinigte Verlust je Aktie mit 0,04 US-Dollar den Konsens traf. Die bereinigte Bruttomarge lag bei 39,5 Prozent, für das dritte Quartal stellt Navitas eine Marge von rund 39,7 Prozent sowie operative Aufwendungen zwischen 15,5 und 17,5 Millionen US-Dollar in Aussicht.
Partnerschaft mit Magnachip stärkt SiC-Portfolio
Flankiert wird die neue Ausrichtung durch eine strategische Partnerschaft mit Magnachip Semiconductor, die am 23. Juli bekannt wurde. Magnachip lizenziert die GeneSiC-Technologien der vierten und fünften Generation von Navitas für Spannungsklassen von 1200 bis über 3300 Volt und erhält Zugang zur Lieferkette.
Zielmärkte sind Energie- und Netzinfrastruktur, Energiespeicher, industrielle Elektrifizierung und die Automobilbranche in Südkorea. Ergänzend hat Navitas im zweiten Quartal eine neue 1,2-kV-SiC-JFET-Produktlinie vorgestellt, die den adressierbaren Markt bis 2030 um schätzungsweise eine Milliarde US-Dollar erweitern soll.
Analysten uneins über Bewertung
Die Reaktionen der Wall Street auf die Quartalszahlen fielen gespalten aus. Needham-Analyst Quinn Bolton bekräftigte am 28. Juli seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 21,00 US-Dollar und verwies auf die einsetzende Wachstumswende im KI-Infrastrukturgeschäft.
Morgan-Stanley-Analyst Joseph Moore senkte am selben Tag sein Kursziel von 13,70 auf 12,60 US-Dollar und beließ die Einstufung bei Untergewichten. Baird und Jefferies bewegten sich mit Kurszielen von 20 beziehungsweise 13 US-Dollar zwischen diesen beiden Polen – die Bandbreite der Einschätzungen spiegelt die Unsicherheit über Tempo und Nachhaltigkeit des Umbaus wider.
Kursreaktion und Insiderverkäufe
An der Börse zeigte sich die Aktie zuletzt volatil: Nach einem Anstieg von 3,60 Prozent auf Wochensicht gab das Papier am Montag um 4,96 Prozent auf 11,50 Euro nach. Vom 52-Wochen-Hoch bei 29,20 Euro, erreicht im Mai, bleibt die Aktie damit rund 61 Prozent entfernt, während sie sich vom Jahrestief im Februar deutlich abgesetzt hat.
Auffällig ist zudem das Verhalten von Unternehmensinsidern: In den vergangenen sechs Monaten kam es ausschließlich zu Verkäufen, unter anderem durch den früheren Board-Chairman Ranbir Singh sowie CFO Todd Glickman und CEO Chris Allexandre – Käufe gab es im selben Zeitraum keine.
Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob der angekündigte Umsatzsprung im dritten Quartal den Auftakt einer nachhaltigen Erholung markiert oder ob die Skepsis von Morgan Stanley und Jefferies berechtigt ist.
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