Navitas Semiconductor: Klage gegen Renesas um vier Patente

Navitas verklagt Renesas wegen Patentverletzung und setzt auf KI-Infrastruktur. Analysten zeigen sich uneins über die Zukunftsaussichten des GaN-Spezialisten.

Auf einen Blick:
  • Patentklage gegen Renesas eingereicht
  • Umsatzprognose Q3: 13,5 Mio. Dollar
  • KI-Infrastruktur wird Kerngeschäft
  • Analysten uneins über Aktienbewertung

Navitas Semiconductor setzt im Wettbewerb um Galliumnitrid-Leistungshalbleiter (GaN) auf eine Doppelstrategie aus gerichtlicher Offensive und einer Neuausrichtung auf das lukrative Geschäft mit KI-Infrastruktur. Während das Unternehmen am Montag eine Patentklage gegen Renesas Electronics einreichte, signalisieren die jüngsten Geschäftszahlen eine Rückkehr zu kräftigem Wachstum in den kommenden Monaten.

Eskalation im Rechtsstreit mit Renesas

Die am Montag beim Bezirksgericht in Texas eingereichte Klage von Navitas wirft Renesas vor, mit seinen „SuperGaN“-Produktlinien insgesamt vier US-Patente zu verletzen. Dieser rechtliche Vorstoß folgt auf eine Klage von Renesas vom 22. Juli, in der dem Unternehmen und zwei seiner Mitarbeiter – darunter der CEO – die Veruntreuung von Geschäftsgeheimnissen sowie Vertragsbruch vorgeworfen werden.

Navitas kündigte in einer Pflichtmitteilung an, sich gegen diese Vorwürfe entschieden zur Wehr zu setzen. Zum jetzigen Zeitpunkt hat das Unternehmen keine Rückstellungen für etwaige Verluste gebildet, da das Verfahren noch in einem frühen Stadium ist.

Trotz der juristischen Auseinandersetzungen blickt der Halbleiterspezialist operativ optimistisch auf das laufende Jahr. Für das dritte Quartal 2026 prognostiziert das Management einen Umsatz von rund 13,5 Millionen US-Dollar. Dies entspräche einem sequenziellen Wachstum von etwa 28 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal, in dem der Umsatz mit rund 10,5 Millionen US-Dollar bereits leicht über den Markterwartungen lag. Der bereinigte Verlust pro Aktie traf Ende Juli mit 0,04 US-Dollar exakt die Schätzungen der Analysten.

Strategiewechsel hin zur KI-Infrastruktur

Ein zentraler Pfeiler der Unternehmensentwicklung ist der Plan „Navitas 2.0“. Hierbei verlagert der Konzern seinen Fokus weg von preiswerten Mobilgeräten hin zu Hochleistungs-Anwendungen in KI-Rechenzentren und der Energieinfrastruktur.

Medienberichten zufolge ist das Segment der KI-Infrastruktur auf Kurs, bis zum Jahresende mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes auszumachen. Gestützt wird diese Erwartung durch eine vertiefte Anbindung an das NVIDIA-Ökosystem sowie liquide Mittel in Höhe von 557 Millionen US-Dollar.

Parallel zur Neuausrichtung weitete das Unternehmen sein Technologie-Netzwerk aus. Ende Juli wurde eine strategische Partnerschaft mit Magnachip Semiconductor vereinbart. Im Rahmen dieser Lizenzvereinbarung erhält Magnachip Zugriff auf die GeneSiC-Technologie für Hochvolt-Anwendungen. Damit kann der Partner auf den Plattformen von Navitas eigene Lösungen für die nächste Generation der Stromkonvertierung entwickeln.

Analysten bewerten Zukunftsaussichten unterschiedlich

Die jüngsten Entwicklungen und die Prognoseanpassungen Ende Juli riefen unterschiedliche Reaktionen bei Analystenhäusern hervor. Joseph Moore von Morgan Stanley senkte am 28. Juli sein Kursziel von 13,70 auf 12,60 US-Dollar und behielt seine Einstufung „Underweight“ bei. Im Gegensatz dazu bekräftigte die Investmentbank Baird am selben Tag ihre Einstufung mit „Outperform“ und sieht das Kursziel weiterhin bei 20 US-Dollar.

An der Börse reagierte die Aktie heute mit einem moderaten Zuwachs von 0,8 Prozent auf 12,20 Euro. Damit bleibt das Papier jedoch deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch, das am 26. Mai 2026 bei 29,20 Euro markiert wurde. Während die operative Dynamik durch den KI-Trend zunimmt, bleibt der Ausgang der wechselseitigen Rechtsstreitigkeiten ein Unsicherheitsfaktor für die weitere Kursentwicklung.

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